{"id":13771,"date":"2021-12-12T09:21:47","date_gmt":"2021-12-12T09:21:47","guid":{"rendered":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/uncategorized\/selina-meade-2\/"},"modified":"2026-05-29T11:45:27","modified_gmt":"2026-05-29T11:45:27","slug":"selina-meade-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/csalad-en\/selina-meade-2\/","title":{"rendered":"Selina Meade"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn ich bedenke da\u00df ich an Sie<a href=\"#_edn1\">[a]<\/a> schreibe, so m\u00f6chte ich beinahe lieber alles in mir selbst verschlie\u00dfen was ich seit so langer Zeit Ihnen zu sagen w\u00fcnsche. Sie zu beleidigen h\u00e4llt mich davon ab, die Gewi\u00dfheit hingegen, da\u00df ich nur damals ganz ruhig sein kann, wenn ich Sie \u00fcber einige Dinge werde aufgekl\u00e4rt haben, bestimmt mich datzu. &#8211; Ihre G\u00fcte und Gro\u00dfmuth nehme ich also in Anspruch \u2013 und ich bitte Sie, mich ruhig h\u00f6ren zu wollen, bevor Sie mich verurtheilen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mich bei Ihnen anklagen<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> will ich nicht \u2014 den<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> das haben andre gethan; rechtfertigen k\u00f6nnte ich mich \u00fcber vieles \u2014 was Sie sich unm\u00f6glich ganz aufzukl\u00e4ren f\u00e4hig sind, und das<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> <em>w\u00fcrde<\/em><a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> gegen meine heiligste Pflicht <em>sein<\/em><sup>4<\/sup> \u2013<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> <em>w\u00e4re<\/em><sup>4<\/sup> es m\u00f6glich<sup>3<\/sup> da\u00df ich ganz schuldlos vor Ihnen erscheinen k\u00f6nnte, und w\u00e4re diese Rechtfertigung mein eignes Werk \u2014 so m\u00fc\u00dften Sie mich verabscheuen.<sup>5<\/sup> was ich in dieser Augenblick Ihnen sage? k\u00f6nnen Sie<sup>3<\/sup> <em>das<\/em><sup>4<\/sup> verstehen;<sup>5<\/sup> <em>deutlicher<\/em><sup>4<\/sup> kann ich <em>leider<\/em><sup>4<\/sup> nimmermehr zu Ihnen sprechen. \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist mehr als ein Jahr, da\u00df ich Sie zum letztenmal sah \u2013 Damals h\u00e4tte ich f\u00fcr gl\u00fccklich mich gehalten wenn ich Sie \u00fcberweisen h\u00e4tte k\u00f6nnen, da\u00df ich Ihrer guten Meinung nicht ganz unwerth war \u2014. Ich konnte es thun, und es war in meiner Macht \u2013 Sie h\u00e4tten <em>die Ursache<\/em><sup>4<\/sup> meiner Inconsequenz eingesehen, und die Ausenseite meines Betragens \u2013 verziehen \u2014. Sie k\u00f6nnen niemanden<sup>3<\/sup> <em>blo\u00df wegen<\/em><sup>4<\/sup> seiner Art sich in<sup>3<\/sup> Gesellschaften zu<sup>3<\/sup> benehmen verurtheilen. <em>ich hab\u2019s aber nicht gethan und<\/em><sup>4<\/sup> W\u00fcssten Sie wie viel wunderliches unbegreifliches sich damals zugetragen hat \u2013 als ich so gl\u00fccklich verwegen war \u2013 zu denken, da\u00df Sie einstens meine Frau werden k\u00f6nnten! Sie w\u00fcrden mich bedauern<\/p>\n\n\n\n<p>Die n\u00e4mlichen Rechtfertigungen hab\u2018 ich jetzt auch noch in H\u00e4nden \u2014 und mit einmal k\u00f6nnte ich den Schleier von Ihren Augen ziehen. Doch werde ich es nie, den<sup>2<\/sup> fest habe ich\u2019s in mir selbst beschlo\u00dfen! &#8211; diesen schweren Sieg \u2013 bis in mein tiefstes Alter \u00fcber mich zu gewinnen!<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich auf mein voriges Leben zur\u00fcckdenke, ich entsetze selbst vor allen dem was ich in meinem Leichtsinn \u2013 in meiner Blindheit handeln konnte. Ich sehe, da\u00df vieles nie mehr, manches nur schwer \u2014 und meine hei\u00dfeste<sup>1<\/sup> Hoffnung<sup>1<\/sup> nur mit unendlichen Aufopferungen vollbracht werden kann. \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>Ich verlebte ein Jahr \u2013 in einer schrecklichen Geisteszerr\u00fcttung und hab\u2019 nach und nach meine Ruhe wieder erhalten \u2013 Setzen Sie sich selbst in meine Laage \u2014 Ohne Erziehung, ohne Freunde \u2013 in schlechten Gesellschaften \u2014 und \u2013 ich m\u00f6chte weinen, wenn ich daran denke \u2013 mit solchen Verwandten \u2013 mit 15 Jahren als Knabe mir selbst \u00fcberla\u00dfen \u2013 Ohne Grunds\u00e4tzen, ohne allen Principien von Ehr von Rechtschaffenheit \u2013 so war ich in die Welt gesendet<a href=\"#_edn2\">[b]<\/a> \u2014 Was ich jetzt bin ist mein Werk \u2013 und meine Erfahrung hab\u2019 ich mit bittern Thr\u00e4nen erkauft \u2014<\/p>\n\n\n\n<p><sup>3<\/sup>mein Schicksal <em>mag<\/em><sup>4 <\/sup>nun<a href=\"#_ftn7\">[6]<\/a> bringen<sup>2<\/sup> was es will \u2013 in der Zukunft bin ich auf alles gefa\u00dft &#8211; und erwarte jedes Geschick mit Ruhe \u2014 hab\u2019 ich ja lehrnen k\u00f6nnen Sie nie zu besitzen \u2013 \u2013 <em>und<\/em><sup>4<\/sup> ich begreife es <em>doch<\/em><sup>4<\/sup> kaum \u2013<sup>3<\/sup> <em>den<\/em><sup>2 4<\/sup> f\u00fchle es da\u00df ich das unbegrenzeste Gl\u00fcck erreichen w\u00fcrde \u2013 wie Sie mein w\u00e4ren \u2013 Wenn ich mein ganzes Leben Ihrem Gl\u00fcck und <em>Ihre<\/em><sup>4<\/sup> W\u00fcnschen widmete \u2014 Mein Verm\u00f6gen, mein Alter, mein Geschmack \u2013 meine Lebens Art \u2013 mit einem Wort alles was ich denken, was ich w\u00fcnschen kann \u2013 Ihren Willen Unterordnete.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00f6ren Sie mich, \u2014 Erlauben Sie mir einmal mit Ihnen, ohne Zeugen sprechen zu d\u00fcrfen \u2014 Sie werden meine Frau, und sonst nie eine das schw\u00f6re ich Ihnen \u2014<\/p>\n\n\n\n<p>Versagen Sie meine Bitte nicht, ich beschw\u00f6re Sie bei allen den was Ihnen lieb und heilig ist \u2014\u2014<\/p>\n\n\n\n<p>In so zerr\u00f6tetem Sinn, wie ich das Jahr \u2013 1818 Wien verlie\u00df<a href=\"#_edn3\">[c]<\/a> \u2013 k\u00f6nnte ich nimmermehr es verlassen \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00fc\u00dfte unterliegen \u2014 Von Ihrem Munde will ich h\u00f6ren, da\u00df Sie mir verbiethen, Sie zu lieben, Sie mir zu verdienen \u2014 Gl\u00fcck und Ungl\u00fcck bis zum Grab mit Ihnen theilen. \u2014<a href=\"#_ftn8\">[7]<\/a><a href=\"#_edn4\">[d]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Er wu\u00dfte auf zwei Seiten alles das zusammenzudr\u00e4ngen, was man in einem Leben hindurch, \u00fcber die Edelheit der Gesinnungen, der Richtigkeit des Geschmacks, und mit einem Wort, <em>was man<\/em><sup>4<\/sup> \u00fcber die Vollkommenheit und Glorie des menschlichen Characters \u2013 in hinsicht des Gem\u00fcths und Bildung \u2013 nur immer vern\u00fcnftiges und gegr\u00fcndetes sagen k\u00f6nnte \u2013 und mit so vieler \u00e9legance und Leichtigkeit \u2013 da\u00df es scheint ihm ein Spiel gewesen zu sein, und eine angenehme Erhohlung, was andre Menschen Kaum f\u00fchlen k\u00f6nnen, und noch keiner auszudr\u00fccken im Stande war.<a href=\"#_edn5\">[e]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Vous m\u2019avez donn\u00e9 tant de t\u00e9moignages de votre bont\u00e9, que j\u2018<sup>3<\/sup><em>ai<\/em><sup>4<\/sup> tout le droit de penser que vous avez <em>eu toujours<\/em><sup>4<\/sup> un peu d\u2019amitie pour moi \u2013 et que vous me la conserverez aussi long-temps, que je ne m\u2019en rendrai pas indigne \u2013<\/p>\n\n\n\n<p>Die Liebe ist der Anfang der Musick und der Poesie, \u2013 den die erste Stimme, die erste Laute sang nur Liebe.<\/p>\n\n\n\n<p>Gott ist darum der gl\u00fccklichste weil er alles erschafft \u2014<a href=\"#_edn6\">[f]<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Corrected word.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Instead of denn.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> One word deleted by Sz\u00e9chenyi.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Interlining afterwards.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Two words deleted by Sz\u00e9chenyi.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> Three words deleted by Sz\u00e9chenyi.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> He added the following to the draft later.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref1\">[a]<\/a> Selina Meade (1797\u20131872), sister of Sz\u00e9chenyi\u2019s sister-in-law (Countess Caroline Meade \/1794\u20131820\/, first wife of P\u00e1l Sz\u00e9ch\u00e9nyi), married in 1821 to Count Karl Clam-Martinic. For more about Sz\u00e9chenyi\u2019s feelings for Selina Meade: SzIN 1. CXXIX\u2013CXXXV.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref2\">[b]<\/a> Unfair self-description, he wanted to make an impact by belittling himself and by talking about his pain.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref3\">[c]<\/a> There is no trace of this in his travel diary.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref4\">[d]<\/a> Probably thoughts written under the influence of his readings.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref5\">[e]<\/a> Probably a characterisation of the Italian playwright Alfieri.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref6\">[f]<\/a> The notes in the notebook K 247 are undated, but it can be established that they were written in July 1819.<\/p>\n\n\n\n<p>Recommended reference:<\/p>\n\n\n\n<p>Istv\u00e1n Sz\u00e9chenyi to Selina Meade, Vienna, 31 July 1819. Edited and annotated by Szilvia Czinege. Published in Correspondence of Istv\u00e1n Sz\u00e9chenyi. Digital edition. Edited by Szilvia Czinege and Zolt\u00e1n F\u00f3nagy. https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/ Abbreviation for further references: SzIL-Digit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>He does not want to make accusations, others have done that. He hasn&#8217;t seen her in over a year; it was a reckless idea to think that she would one day be his wife. He asks her to put herself in his shoes, he could cry when he thinks of being sent out into the world at 15 with no basic values and no principles. He believes from the signs that she feels some friendship for him.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3370,3448],"tags":[3418],"language":[3416],"addressee":[4562],"place_of_writing":[3397],"qualification":[4185],"place_of_keeping":[4565],"place_of_publication":[4566],"class_list":["post-13771","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-csalad-en","category-youth","tag-emotions","language-german","addressee-selina-meade-en","place_of_writing-vienna","qualification-draft","place_of_keeping-mta-kik-kt-k-247-1-5-en","place_of_publication-szin-i-836-838-en"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13771","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13771"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13771\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13774,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13771\/revisions\/13774"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13771"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13771"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13771"},{"taxonomy":"language","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/language?post=13771"},{"taxonomy":"addressee","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/addressee?post=13771"},{"taxonomy":"place_of_writing","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/place_of_writing?post=13771"},{"taxonomy":"qualification","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/qualification?post=13771"},{"taxonomy":"place_of_keeping","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/place_of_keeping?post=13771"},{"taxonomy":"place_of_publication","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/place_of_publication?post=13771"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}