{"id":13843,"date":"2021-12-12T16:08:31","date_gmt":"2021-12-12T16:08:31","guid":{"rendered":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/uncategorized\/turheim-lujza-2\/"},"modified":"2026-05-29T15:18:22","modified_gmt":"2026-05-29T15:18:22","slug":"turheim-lujza-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/youth\/turheim-lujza-2\/","title":{"rendered":"Luise Th\u00fcrheim"},"content":{"rendered":"\n<p>Meine theuere Gr\u00e4fin,<a href=\"#_edn1\">[a]<\/a> aus Ihrem Brief<a href=\"#_edn2\">[b]<\/a> hab\u2019 ich gesehen, da\u00df Ihr Herz, selbst in dem Lande, wo alles was lebt und bl\u00fcht erstarret und abstirbt<a href=\"#_edn3\">[c]<\/a> &#8211; f\u00fcr das Gute und Sch\u00f6ne stets mit gleicher W\u00e4rme fort gl\u00fchet! \u2013 Nehmen Sie meinen herzlichsten Dank f\u00fcr Ihre g\u00fctige Errinnerung. \u2013 fr\u00fcher konnte ich Ihnen nicht antworten, denn ich h\u00e4tte mich in manche Erz\u00e4hlungen verlohren, derer Inhalt Sie vieleicht nicht interessirt oder Ihnen unangenehm ist \u2013 und den ich l\u00e4ngst aus meinem Ged\u00e4chtni\u00df h\u00e4tte rei\u00dfen sollen. \u2013 Eben so wie Sie es f\u00fcr schwer, ja selbst f\u00fcr unm\u00f6glich halten, in so kaltem Lande in welchem Sie leben einen gem\u00fctlichen Brief herauszubringen \u2014 eben so finde ich\u2019s unnat\u00fcrlich in meiner jetzigen Laage gem\u00fctlich zu seyn. Es giebt Menschen in deren N\u00e4he man, sich so zu sagen erw\u00e4rmt \u2014 Ihre Umgebung belobt und begl\u00fcckt \u2014 und jeder Athemzug f\u00fcllt die Brust mit neuer Wonne, mit ungekannter Lust \u2014 Es giebt aber andre die rings um sich her alles verdorren machen \u2013 und in deren Gesellschaft man sein eigen Herz so \u00f6de so leer f\u00fchlt! \u2013 Haben Sie das nie bemerkt? noch nie in Ihrem Leben erfahren? Kennen Sie diese Macht, die auf uns so unwiderstehlich wirkt \u2014 wirklich nicht? \u2014 Sie haben von meiner vorhabenden Reise nach Osten<a href=\"#_edn4\">[d]<\/a> wahrscheinlich schon manches geh\u00f6rt: \u2014 und indem ich selbst kaum mehr der Herr meines Wollens gewesen bin, lie\u00df ich durch den Zufall mich so tragen \u2014 ob es mich gl\u00fccklich im Hafen bringen wird \u2013 oder vieleicht niemals wieder, das wei\u00df ich bei Gott nicht \u2014 es gielt mir auch ziemlich gleich \u2014 Ich hab\u2019 Ihnen, liebe theuere Gr\u00e4fin \u2013 von allen den nichts sagen wollen \u2014 man legt die Handlungen der Menschen so verschieden aus, weil man nie wissen kann warum sie eigentlich geschehen, da\u00df sie selbst \u2013 obschon Sie gerecht und sogar nachsichtig sind \u2014 mich in diesem Augenblick gewi\u00df f\u00fcr etwas verr\u00fcckt und \u00fcberspannt halten. Es sey aber wie es wolle \u2013 ich gebe Ihnen mein Wort \u2013 Sie und Ihre Schwestern,<a href=\"#_edn5\">[e]<\/a> werden sich nie zu sch\u00e4men brauchen, mir etwas Freundschaft geweiht zu haben \u2013 wenn sie das wirklich thaten \u2014 denn wo immer mein Geschick mich nur auch hintreiben sollte \u2013 eingedenk werde ich immer bleiben da\u00df ich manche angenehme Stunde mit ihnen verlebte \u2013 und solcher Handlungen die eine R\u00fcge verdienten, bin ich jetzt nicht mehr f\u00e4hig, \u2014 das schw\u00f6re ich Ihnen. Da\u00df ich durch \u00fcbertrieben Empfindsamkeit getrieben worden<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a>, zu dem Ungew\u00f6hnlichen zu greifen \u2014 das werden Sie mir ja vieleicht vergeben: denn Sie selbst verschm\u00e4hen Gleichg\u00fcltigkeit \u2014 und so gl\u00fcckliche Menschen deren Leben ganz ohne Sturm abgelaufen ist,<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> deren Leben man mit einem sch\u00f6nen Sommertag vergleichen sollte \u2014 die giebt es ja nur \u00e4userst wenige \u2014\u2014: ich kann mich in ihre Zahl nicht rechnen \u2013 nicht wahr? <em>Liebe Louise<\/em>?<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> \u2014<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcbrigens ist meine Abreise noch nicht entschieden<sup>d<\/sup> \u2014 es hengt an so vielen: und da ich es gar nicht w\u00fcnsche, daher auch gar nicht treibe \u2013 so kann es auch noch weit hinausgeschoben werden. \u2013 Da\u00df ich aber nicht mit dem heitern Mut diesmal reisen werde \u2014 wie sonst \u2014 das werden Sie mir glauben \u2014 \u201e<em>Er wird eine krampfhafte Unterechnung werden<\/em>\u201c<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> Mein Journal wird in der Folge wahrscheinlich unter dem Titel erscheinen die Krampfhafte Reise nach Arabien des weiland Gr.<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> von S<a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a> \u2014\u2013 Werden Sie darauf praenumeriren? Werden Sie s lesen? \u2014 es wird wahrscheinlich um einen ganz billigen Preis zu haben seyn.<\/p>\n\n\n\n<p>Meines alten Vaters Lebenslampe brennt schon ganz d\u00fcster und ich glaube da\u00df er<sup>2<\/sup> dieses hinf\u00e4llige Seyn bald mit einem bessern Leben vertauschen wird \u2013. Sie glauben nicht was er ausgestanden hat, und mit wie vieler Geduld und Ergebung \u2014! Ich versichere Sie, es ist hinl\u00e4nglich einige Tage mit ihm erlebt zu haben, um dann das ganze Leben hindurch \u2013 im Vergleich mit seinen Leiden \u2014 sein eigenes Geschick sanft und ruhig zu ertragen. Ich wollte da\u00df jeder Mensch am Rande des Grabes sich so Mackel frei bef\u00e4nde \u2013 wie mein guter Vater. \u2014 Es ist wahrscheinlich, da\u00df Ihr Brief, wenn Sie mir schreiben wollten, mich noch hier finden k\u00f6nnte \u2014 indessen will ich Sie dessen entheben, wenn es Ihnen ungelegen w\u00e4re. Ein einziges Wort an eine Ihrer Schwester geschrieben, da\u00df Sie mich noch in Ged\u00e4chtni\u00df haben, soll mir hinl\u00e4nglich Freude seyn \u2014.<\/p>\n\n\n\n<p>Sagen Sie Ihrer Schwester Constantine recht viel Sch\u00f6nes \u2013 Ich empfehle mich sodann dem F.<a href=\"#_ftn7\">[7]<\/a> Razumofsky<a href=\"#_edn6\">[f]<\/a> \u2013 meistens aber Ihnen \u2013 \u201e<em>die mir recht lieb und theuer ist<\/em>.<sup>2<\/sup> Gott erhalte Sie in guter Gesundheit, und in guter Laune!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">Sz\u00e9ch\u00e9nyi<\/p>\n\n\n\n<p><em>Wien den 12<sup>ten<\/sup> Februar<\/em><sup>4<\/sup><a href=\"#_edn7\">[g]<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Missing word: bin.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> One word deleted.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Sz\u00e9chenyi\u2019s underlining with straight line.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Sz\u00e9chenyi\u2019s underlining with wavy line.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Grafen<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> Sz\u00e9chenyi<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> F\u00fcrsten<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref1\">[<\/a><a href=\"#_ednref2\">a<\/a><a href=\"#_ednref1\">]<\/a> Countess Ludovika Franziska Maria Th\u00fcrheim (1788\u20131864), Austrian writer and painter, sister-in-law of Prince Andrey Razumovsky. She is best known for her memoir\u00a0<em>Mein Leben<\/em>, in which she chronicled life as an aristocrat in Vienna.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref2\">[b]<\/a> The letter is unknown.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref3\">[c]<\/a> I.e. Russia. Countess Luise Th\u00fcrheim accompanied her brother-in-law, Prince Razumovsky, to Russia, where he wanted to settle his financial affairs.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref4\">[d]<\/a> For the journey, see the letter to Heinrich Hardegg of early February 1820.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref5\">[e]<\/a> The countess had three sisters, Isabella (1784\u20131855), Constantine (1785\u20131867), wife of Prince Razumovsky, and Josephine.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref6\">[f]<\/a> Prince Andrey Kirillovich Razumovsky (1752\u20131836), Russian tsarist envoy, lived in Vienna from 1792 and represented the Russian tsar, playing a mediating role at the Congress of Vienna.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref7\">[g]<\/a> The letter was written based on its content in 1820. <\/p>\n\n\n\n<p>Recommended reference: <\/p>\n\n\n\n<p>Istv\u00e1n Sz\u00e9chenyi to Louise Th\u00fcrheim, Vienna, 12 February 1820. Edited and annotated by Szilvia Czinege. Published in Correspondence of Istv\u00e1n Sz\u00e9chenyi. Digital edition. Edited by Szilvia Czinege and Zolt\u00e1n F\u00f3nagy. https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/ Abbreviation for further references: SzIL-Digit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>There are people whose company makes one feel warm, and others who make everything around them feel bleak &#8211; he classified the Countess as one of the former. Her departure is not yet decided, while he is preparing his travel report. His father is not well.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3448],"tags":[3418,3719],"language":[3416],"addressee":[4576],"place_of_writing":[3397],"qualification":[3383],"place_of_keeping":[4584],"place_of_publication":[4585],"class_list":["post-13843","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-youth","tag-emotions","tag-social-life","language-german","addressee-luise-thurheim-en","place_of_writing-vienna","qualification-original","place_of_keeping-mnl-ol-p-625-b-no-106-en","place_of_publication-bartfai-adatok-1-27-30-en"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13843","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13843"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13843\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13846,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13843\/revisions\/13846"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13843"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13843"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13843"},{"taxonomy":"language","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/language?post=13843"},{"taxonomy":"addressee","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/addressee?post=13843"},{"taxonomy":"place_of_writing","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/place_of_writing?post=13843"},{"taxonomy":"qualification","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/qualification?post=13843"},{"taxonomy":"place_of_keeping","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/place_of_keeping?post=13843"},{"taxonomy":"place_of_publication","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/place_of_publication?post=13843"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}