{"id":13892,"date":"2021-12-13T12:51:54","date_gmt":"2021-12-13T12:51:54","guid":{"rendered":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/uncategorized\/selina-meade-4\/"},"modified":"2026-05-29T16:59:39","modified_gmt":"2026-05-29T16:59:39","slug":"selina-meade-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/youth\/selina-meade-4\/","title":{"rendered":"Selina Meade"},"content":{"rendered":"\n<p>Meine Liebe \u2014 wenn ich Sie<a href=\"#_edn1\">[a]<\/a> noch so nennen darf \u2014 nicht um mich \u00fcber Sie zu beschw\u00f6ren \u2013 oder um meine Hoffnungen weiter hinaus zu dehnen, schreibe ich Ihnen die\u00dfmahl \u2014. Es ist um Sie zu beruhigen. \u2013 Ich <em>habe<\/em><a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> Gott gebethen \u2013 die ganze Last unseres Ungl\u00fccks auf mich allein zu w\u00e4ltzen, denn ich glaubte da\u00df Sie mit mir litten \u2013 Mein Flehen ist erh\u00f6rt \u2013 und da Ihre Vernunft den Sieg \u00fcber Ihren Herzen davongetragen hat \u2014 so sind Sie wieder frey und gl\u00fccklich \u2014 mich allein trifft das Ertragen \u2014 \u2014. Warum Sie mich aber, nachdem ich zum zweytenmahle so peinlich meine Wunden zu heilen anfing \u2013 auf das Neue \u2013 mit leren Hoffnungen zum Himmel erhoben \u2014 um mich dann so tief, so kalt und grausam fallen zu lassen, das begreife ich nicht <em>und es thut mir mehr weh, als Sie glauben<\/em><a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> \u2014 Sie haben mich<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> recht elend gemacht \u2014 und Sie werden sehen, welchen Einflu\u00df Ihr<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> Betragen auf mein ganzes Leben haben wird \u2014. <em>Ich schreibe Ihnen<\/em><sup>1<\/sup> Ohne Bitterkeit, wei\u00df Gott, Sie sind mir noch immer das theuerste Wesen auf der Welt, ich bethe Sie an \u2014 ohne Hoffnung das schw\u00f6re ich Ihnen \u2014 das Andanken aber der wenigen Augenblicke, wenn ich von Ihnen geliebt zu seyn glaubte \u2013 wird mich bis zum Grabe, mit seligen Gedanken erf\u00fcllen. Die Briefe, die Sie mir geschrieben haben \u2013 kann ich Ihnen nie wieder geben; es ist das Einzige was mir in der Welt noch lieb ist \u2014 Es wird Sie nie Jemand sehen \u2014 das K\u00f6nnen Sie glauben \u2013 denn wenn Sie mich auch nicht lieben konnten \u2013 Ihrer Achtung bin ich doch gewi\u00df werth \u2014. Ich wiederhohle Ihnen noch einmahl, da\u00df ich ganz ein andrer Mensch geworden bin, seitdem ich Sie liebe, und deshalb m\u00f6ge Gott Sie segnen &#8211; Ich werde Sie nie aus meinem Herzen bringen \u2013 und wollte auch nicht wenn ich es k\u00f6nnte \u2013 denn ich Liebe Sie bey Gott ohne Allen Eigennutz, <em>so wie ohne Grenzen<\/em>.<sup>2<\/sup> So lange mein Armer Vater noch lebt, werde ich trachten Sie zu meiden, hat er aber einmahl seine Laufbahn geendet, und mit diesem elenden Leben ausgerungen, dann soll uns nichts in der Welt mehr zusammen bringen, f\u00fcr das werde ich sorgen \u2014 Ich ungl\u00fccklicher soll Ihre Vergn\u00fcgungen und Zerstreungen durch meine Gegenwart dann nicht mehr st\u00f6ren \u2014 <em>denn ich f\u00fchle, da\u00df<\/em> Ihnen<sup>1<\/sup> <em>meine Gegenwart, wenn Sie ein menschliches Herz haben,<\/em><sup>3<\/sup> <em>doch unangenehm seyn mu\u00df. Sie haben Ihrer Schwester gesagt, da\u00df Sie mich nie liebten, sch\u00e4mten Sie sich<\/em> denn<sup>1<\/sup> <em>meiner? Oder war alles das \u2014\u2013 was zwischen uns vorging &#8211; kalte<\/em> leblose<sup>1<\/sup> <em>Kom\u00f6die \u2013 Berechnung, um mich \u2013 der<\/em><sup>3 <\/sup><em>in der ganzen Welt Sie doch am aufrichtigsten liebt \u2013 zum Aller elendsten der<\/em><sup>2<\/sup> Gott segne Sie, Theuere, ich Kann nicht anders als Ihnen gut seyn \u2014 Und wenn Sie einstens in den Armen Ihres Mannes \u2013 in Wonne und Lust vergehen, denken Sie dann, da\u00df es in einem entfernten Winkel der Erde ein Wesen giebt \u2013 oder gegeben hat \u2014 welches Ihr Gl\u00fcck und Heil mehr wie sein eignes Leben w\u00fcnscht. \u2013 Ach <em>aus<\/em><sup>1<\/sup> was f\u00fcr einen sch\u00f6nen Traum bin ich erwacht! Wie gr\u00e4slich ist<sup>3<\/sup> mein Zustand! M\u00f6gen Sie das nie empfinden, was in meiner Brust mich so t\u00f6dtlich erdr\u00fcckt, und das Leben zeige sich nur von seiner angenehmen Seite! \u2014 Jetzt w\u00e4re es Ihnen wieder lieb, wenn ich nach Arabien ginge,<a href=\"#_edn2\">[b]<\/a> und so w\u00e4re es mir Menschen zu machen \u2013 Mir springt das Herz \u2013 und mit dem Glauben an Sie<sup>3<\/sup> <em>zerrei\u00dft<\/em><sup>1<\/sup> jedes Band, jede Kette, die mich an die Menschen fesseln konnte \u2013 Sie sind in meinen Augen tief gefallen, das m\u00fcssen sie selbst f\u00fchlen &#8211; und ich bin Ihrer werth \u2013 das kann ich jetzt mit Wahrheit sagen \u2013 Sie sind von Ihrer H\u00f6che zu mir herunter gesunken \u2013 \u2013 Sie schreiben mir, oder haben Sie es schon vergessen, oder, <em>damals wie Sie mir\u2019s schreiben<\/em><sup>1<\/sup> aus einem Roman herauskopirt? \u201eZweifeln Sie nie an meiner Liebe an meiner Treue, das allein k\u00f6nnte ich niemals Ihnen vergeben \u2014\u201e<a href=\"#_edn3\">[c]<\/a> Mit solcher Seeligkeit die niemals ein Mensch empfand &#8211; las ich diese Zeile mit wonne Thr\u00e4nen im Auge \u2013 t\u00e4glich ja st\u00fcndlich &#8211; und Konnte so warm so inbr\u00fcnstig mein Gebeth gegen Gott erheben &#8211; denn ich war \u00fcbergl\u00fccklich da\u00df ich jetzt, wenn ich meine<sup>3<\/sup> <em>Lage<\/em>,<sup>1<\/sup> mit jener Zeit vergleiche \u2014 mehr leide als der der sinnenlos mit dem Tode ringt &#8211; oder mit letzter Kraft und Anstrengung f\u00fcr sich selbst \u2013 den Gift Becher mischt \u2014. Jetzt w\u00e4re es mir vielleicht gut, wenn ich an Gott an die Ewigkeit nicht glaubte \u2013 lange w\u00fcrde ich <em>in<\/em><sup>1<\/sup> solcher Qual nicht leben wollen \u2013 das schw\u00f6re ich Ihnen \u2014 und der Wahnsinn, die Verzweiflung einiger Augenblicke, der phisische Schmerz, der mir jetzt Wohlthat w\u00e4re &#8211; was w\u00fcrde das Alles<sup>3<\/sup> im Vergleich der langen Jahre <em>seyn<\/em><sup>1<\/sup> die ich weit vom Vaterlande \u2013 wie ein ge\u00e4chteter ein Verbannter \u2013 verleben werde, denn da\u00df ich Ihr Gl\u00fcck weiterhin noch st\u00f6ren sollte, oder mich dem Spott und dem Siegeshohn Ihrer Freunde aussetzen \u2013 datzu k\u00f6nnte ich mich nicht entschlie\u00dfen \u2014 \u2014 O theuer S<a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> \u2014 vergeben Sie mir \u2013 wenn ich Sie kr\u00e4nke \u2013 Ich schw\u00f6re Ihnen, da\u00df ich Sie noch immer \u00fcber Alles in der Welt liebe, da\u00df mein Herz auf ewig das Ihre ist \u2014 und da\u00df ich gegen Sie nie einen Groll haben kann \u2013 Wenn Sie recht gl\u00fccklich sind, so werde ich es vielleicht auch noch werden k\u00f6nnen<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Interlining afterwards.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Inserted afterwards.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Four words deleted by Sz\u00e9chenyi.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Corrected word.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Selina.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref1\">[a]<\/a> Selina Meade (1797\u20131872), she married Count Karl Clam-Martinic in 1821. More about Sz\u00e9chenyi&#8217;s feelings for Selina Meade: SzIN 1. CXXIX\u2013CXXXV.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref2\">[b]<\/a> See his letter of February 1820 to Heinrich Hardegg.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref3\">[c]<\/a> Quote from Selina\u2019s letter, recorded verbatim in his diary.<\/p>\n\n\n\n<p>Recommended reference:<\/p>\n\n\n\n<p>Istv\u00e1n Sz\u00e9chenyi to Selina Meade, Vienna, 31 May 1820. Edited and annotated by Szilvia Czinege. Published in Correspondence of Istv\u00e1n Sz\u00e9chenyi. Digital edition. Edited by Szilvia Czinege and Zolt\u00e1n F\u00f3nagy. https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/ Abbreviation for further references: SzIL-Digit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>He writes to reassure her that her plea has been heard and she is free again. But Sz\u00e9chenyi still considers her the kindest creature on earth. As long as his father is alive, he will try to avoid her, but once he is dead, there will be nothing to bring them together. He knows she is uncomfortable in his presence, but he assures her of his love and loyalty.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3448],"tags":[3418],"language":[3416],"addressee":[4562],"place_of_writing":[3397],"qualification":[4185],"place_of_keeping":[4606],"place_of_publication":[4607],"class_list":["post-13892","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-youth","tag-emotions","language-german","addressee-selina-meade-en","place_of_writing-vienna","qualification-draft","place_of_keeping-mta-kik-kt-k-216-47-49-en","place_of_publication-szin-ii-20-22-en"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13892","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13892"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13892\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13895,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13892\/revisions\/13895"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13892"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13892"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13892"},{"taxonomy":"language","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/language?post=13892"},{"taxonomy":"addressee","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/addressee?post=13892"},{"taxonomy":"place_of_writing","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/place_of_writing?post=13892"},{"taxonomy":"qualification","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/qualification?post=13892"},{"taxonomy":"place_of_keeping","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/place_of_keeping?post=13892"},{"taxonomy":"place_of_publication","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/place_of_publication?post=13892"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}