{"id":14001,"date":"2021-12-15T10:34:24","date_gmt":"2021-12-15T10:34:24","guid":{"rendered":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/uncategorized\/selina-meade-5\/"},"modified":"2026-06-04T15:44:45","modified_gmt":"2026-06-04T15:44:45","slug":"selina-meade-5","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/youth\/selina-meade-5\/","title":{"rendered":"Selina Meade"},"content":{"rendered":"\n<p>Hier haben Sie<a href=\"#_edn1\">[a]<\/a> Ihre Briefe zuruck.<a href=\"#_edn2\">[b]<\/a> Ich h\u00e4tte sie fr\u00fcher zuruckgeben sollen, das ist wahr, konnte es aber \u00fcber mich nicht gewinnen, das theuerste, was ich je besessen, so schnell wieder aus meinen H\u00e4nden zu geben. Haben Sie gedacht, da\u00df ich sie zeigen werde, als Kl\u00e4ger gegen Sie auftreten, bey Ihrer Tante mich recht fertigen? Nicht wahr Sie haben das, denn Sie halten mich jeder Sch\u00e4ndlichkeit f\u00e4hig. \u2013 Glauben Sie mir aber theueres M\u00e4dchen, bey dem heiligen Gott, ich bin Ihrer werth, und nicht h\u00e4tte ich k\u00f6nnen, die Worte die ich in Wonnentrunkenheit an mein Herz an meine Lippen dr\u00fcckte, als Werkzeuge meiner Rechtfertigung brauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Alles was geschah, w\u00fcrde nie geschehen seyn, wenn ich einmahl ohne Zeugen mit Ihnen gesprochen h\u00e4tte. Sie h\u00e4tten an meiner Liebe nie gezweifelt, und kein Mensch w\u00fcrde mich je aus Ihren Herzen gebracht haben. Jetzt w\u00fcrden wir vereinigt seyn! der Stern aber unter welchem ich geboren<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a>, ist ungl\u00fccklich und das Verh\u00e4ngni\u00df wollte es so \u2014 da liegts \u2013 und das ist die Ursache, da\u00df ich Sie nie sprechen konnte, da\u00df wir in Dunkeln und Mi\u00dfverst\u00e4ndnissen lebten, da\u00df Sie von Menschen umgeben waren, die mich hassen, die mich so leicht aus Ihren Herzen bringen konnten, da\u00df wir nun auf immer getrennt sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Lesen Sie die Briefe, die Sie mir geschrieben haben, nur einmal selbst, und ruffen Sie sich die Vergangne Zeit ins Ged\u00e4chtni\u00df zuruck: wie lange ich Sie liebte \u2013 was ich litt, und auf welche Art Sie mich entlie\u00dfen. &#8211; Seyen Sie gerecht. Glauben Sie, da\u00df so ein Fall in der Welt schon geschehen? da\u00df je ein Geliebter so betrogen? da\u00df ein Mann dabei so geduldig geblieben \u2014 und nun, so zu sagen, die Rolle eines S\u00fcnders spielen mu\u00df und noch immer so f\u00fcr Sie f\u00fchlt wie einstens? Setzen Sie sich in meine Lage.<\/p>\n\n\n\n<p>Den letzten Brief habe ich an Sie geschrieben, um Sie endlich zu einen Schritt zu bewegen. An Ihre Liebe zweifelte ich nicht. Sie selbst wollten mir ja das Einzige nie vergeben. Wie ich auf Sie baute. Meine Seligkeit h\u00e4tte ich auf Ihre Treue gesetzt. \u2013 und mein armes Herz konnte nicht ahnden da\u00df Sie\u2019s endlich so zerreissen w\u00fcrden, nachdem es jahrelang f\u00fcr Sie blutete. \u2013 Sie entlie\u00dfen mich, und vor allem dem himlischen Gef\u00fchle, blieb in Ihrer Seele kaum eine Spur von Freundschaft von Theilnahme zur\u00fcck. \u2014 Ich ertrug diesen Schlag, hart, ich ertrug ihn aber: und mein erster Blick war gen Himmel. Sie beschuldigte ich nicht einen Augenblick \u2013 mein eignes Schicksal fiel mir aber herb an das Herz.<\/p>\n\n\n\n<p>Wollten Sie mich durch Ihr Betragen etwa heilen? \u2014<\/p>\n\n\n\n<p>Das konnten Sie nicht, und werden es auch nie k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Begreiffen Sie aber welchen entsetzlichen Scherz Sie mit mir getrieben, welche Richtung Sie meinem ganzen Leben gegeben haben? Begreiffen<sup>7<\/sup> Sie das? \u2013 Ich kann in Wien nicht mehr wohnen, alle Geselschaft ist f\u00fcr mich verlohren, Ihre Tante h\u00e4lt mich f\u00fcr den falschten erb\u00e4rmlichsten Menschen unter der Sonne: die meisten Leute denken, glauben sagen es Ihr nach, zu einer Aufkl\u00e4rung kann es nie kommen, ich werde immer geachtet und verrachtet bleiben m\u00fcssen. Mein Vaterland ist f\u00fcr mich todt.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4tten Sie es bey meinem 2<sup>ten<\/sup> Abschiede gelassen jetzt w\u00fcrde ich Sie sehen, in Ihrer Gesellschaft leben k\u00f6nnen. Ich w\u00fcrde mit Ihnen weinen, in Ihrer N\u00e4he Trost suchen. Ihre Tante w\u00fcrde mir Gerechtigkeit g\u00f6nnen \u2013 ich in der Meinung der Menschen gewinnen: mein Schicksal w\u00e4re erst zu beneiden. So aber beklagt mich Christianne der infamsten Inconsequez \u2013 Sie mu\u00df ich meiden, wie der S\u00fcnder das Tageslicht \u2014 mu\u00df Sie fliehen, w\u00e4hrend mich alles so gewaltsam zu Ihnen zieht, w\u00e4hrend ich f\u00fchle, da\u00df es mir blo\u00df in Ihrer N\u00e4he wohl gehen kann \u2014 w\u00e4hrend ich mit banger Seele mir selber gestehen mu\u00df, da\u00df allenthalben nur leeres inhaltloses seyn f\u00fcr mich ist, und da\u00df der Zweck<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> meines Lebens mit Ihrer Liebe aufgeh\u00f6rt hat. \u2013 So weit haben Sie mich gebracht \u2014 Beruhigen Sie sich aber \u2013 und verleben Sie gl\u00fccklich und zufrieden die Erdenjahre die Ihnen bestimmt sind, denn wenn Sie sich nichts Anderes vorzuwerfen haben, als das kleine Unrecht, welches Sie in Ihrer verlegnen Lage gegen mich aus\u00fcbten, so k\u00f6nnen Sie ruhig Ihrer Zukunft entgegen sehen. ich bleibe bis an das Grab das, was ich so zu sagen, von der Wiege an f\u00fcr Sie gewesen bin. \u2013 Ihr Gl\u00fcck ist zu dem Meinigen nothwendig. Ich f\u00fchle mit Ihnen, den Verlust Ihrer theure Schwester. Ach das Leben ist doch eine Erb\u00e4rmlichkeit! Mit jedem Tage f\u00fchl ich es mehr, und sehe einem traurigen Alter, einer verbannten Existenz entgegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun segne Sie Gott und f\u00fchre Sie zur Tugend zur Seligkeit, denken Sie manchmal meiner mit gem\u00fctlichem Wohlwollen. Versto\u00dfen Sie mich nicht ganz aus Ihrem Andenken, und schlie\u00dfen Sie mich in Ihr Gebeth ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es Ihnen m\u00f6glich mir durch eine Zeile zu sagen, da\u00df Sie mich nicht hassen, so werden Sie mir himmlischen Trost geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Vertrauen Sie mir und glauben Sie nicht Alles was Sie von mir h\u00f6ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Was soll ich Ihrem Bruder sagen, wenn ich ihr etwa begegne? Sie haben mich in gro\u00dfe Verlegenheit gebracht \u2013 ich erscheine als Verbrecher wohin ich blicke.<\/p>\n\n\n\n<p>Leben Sie wohl Theuere, Unverge\u00dfliche. Ich werde allenthalben wissen, wie es Ihnen gehet, und mich an Ihren Wohlseyn erfreuen. Je t\u00e3cherai d\u2018 \u00eatre heureux!<a href=\"#_edn3\">[c]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Ihren Namen trage ich nun gerade 10 Jahre an meinem Arm. Kanns\u2018 nie wieder ausl\u00f6schen<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>da haben Sie Ihre Briefe wieder \u2013. Kaum da\u00df sie trocken waren erz\u00e4hlten Sie einigen von Ihren verschwiegnen Freunden, die es mir wieder auf der Stelle hinterbrachten \u201eda\u00df ich ganz toll sey, Sie dreymal begehrt zu haben, Sie durchaus heirathen zu wollen, nachdem Sie mich nie anh\u00f6rten, und \u00fcbrigens sich auch niemals entschlie\u00dfen k\u00f6nnten einen so falschen Menschen, wie mich den man<sup>2<\/sup> kein Wort glauben kann, Ihre Hand zu geben, . \u2013 Sie haben das allerdings recht klug gemacht denn kein Mensch kann das Mindeste Ihnen vorwerfen, und ich \u2013 das wu\u00dften Sie in Ihrer Seele, konnte unm\u00f6glich Ihre Briefe zeigen. \u2013 Sie haben meiner Ehrlichkeit getraut daf\u00fcr danke Ihnen, und w\u00fcnsche, da\u00df Sie sich nie vorwerfen m\u00f6gen mit mir einen solchen Scherz getrieben zu haben, der auf mein ganzes Leben Einflu\u00df haben wird. Wem soll ich glauben nachdem Sie mich betrogen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Lesen Sie Ihre Briefe \u2013 zerrei\u00dfen Sie sie denn geschwind und err\u00f6then Sie \u00fcber sich selber!<\/p>\n\n\n\n<p>den 12<sup>ten<\/sup> J\u00e4ner 1821<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Missing word: bin.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> One word deleted by Sz\u00e9chenyi.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> He stopped writing the letter there, and before continuing, he wrote the following: \u201eDen 10<sup>ten<\/sup> J\u00e4nner 1821 der Sophie Vinzenz \u00fcbergeben. \u2014 Dieser Brief wurde noch nicht abgegeben \u2013 ich schrieb folgenden\u201d<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref1\">[a]<\/a> Selina Meade (1797\u20131872), she married Count Karl Clam-Martinic in 1821. More about Sz\u00e9chenyi\u2019s feelings for Selina Meade: SzIN 1. CXXIX\u2013CXXXV.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref2\">[b]<\/a> He probably copied these into his diary: SZIN 2. 109\u2013111.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref3\">[c]<\/a> In French: I try to be happy. Selina said these words to him as a farewell.<\/p>\n\n\n\n<p>Recommended reference:<\/p>\n\n\n\n<p>Istv\u00e1n Sz\u00e9chenyi to Selina Meade, Vienna, 10 January 1820. Edited and annotated by Szilvia Czinege. Published in Correspondence of Istv\u00e1n Sz\u00e9chenyi. Digital edition. Edited by Szilvia Czinege and Zolt\u00e1n F\u00f3nagy. https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/ Abbreviation for further references: SzIL-Digit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>He sends back the letters of reply; he has not been able to give them up. He insists that he is worthy of her. He was born under an unhappy star sign, this is the reason why they live in misunderstanding and Selina is surrounded by people who hate him, so they are separated forever.<br \/>\nHe asks her to read her own letters and recall the past, how much Sz\u00e9chenyi loved her and how Selina rejected him. He asks her to put herself in her place. His last letter was written to her to finally get her to make a move. He does not doubt her love, he would have staked his own happiness on her love, but he could not foresee that she would break his heart. He can no longer live in Vienna; the whole company is lost to him. His country is dead to him. He wishes her a happy and contended life. He himself feels, day in, day out, that he is looking ahead to a sad old age. He asks her to read his letters then tear them up and go red in the face with embarrassment.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3518,3448],"tags":[3418,3412],"language":[3416,2287],"addressee":[4562],"place_of_writing":[3393,3397],"qualification":[4185,4187],"place_of_keeping":[4650],"place_of_publication":[4651],"class_list":["post-14001","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-ifjusag-en","category-youth","tag-emotions","tag-erzelmek-en","language-german","language-nemet-en","addressee-selina-meade-en","place_of_writing-becs-en","place_of_writing-vienna","qualification-draft","qualification-fogalmazvany-en","place_of_keeping-mta-kik-kt-k-219-61v-65v-en","place_of_publication-szin-i-111-114-en"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14001","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14001"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14001\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14004,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14001\/revisions\/14004"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14001"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14001"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14001"},{"taxonomy":"language","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/language?post=14001"},{"taxonomy":"addressee","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/addressee?post=14001"},{"taxonomy":"place_of_writing","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/place_of_writing?post=14001"},{"taxonomy":"qualification","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/qualification?post=14001"},{"taxonomy":"place_of_keeping","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/place_of_keeping?post=14001"},{"taxonomy":"place_of_publication","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/place_of_publication?post=14001"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}