{"id":14581,"date":"2021-12-27T21:54:47","date_gmt":"2021-12-27T21:54:47","guid":{"rendered":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/uncategorized\/thurheim-lujza\/"},"modified":"2026-06-20T09:38:59","modified_gmt":"2026-06-20T09:38:59","slug":"thurheim-lujza","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/youth\/thurheim-lujza\/","title":{"rendered":"Luise Th\u00fcrheim"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\"><em>Zinkendorf 29 Mai 1824<\/em><a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Liebe Gr\u00e4fin,<a href=\"#_edn1\">[a]<\/a> Sie werden sich, wenn ich mich an Ihnen nicht irre gegangen habe, nicht wundern, da\u00df ich Ihnen jetzt so auf einmal schreibe. Sie sind gro\u00df genug, um zu f\u00fchlen, da\u00df man nicht aufgeh\u00f6rt haben mu\u00df zu denken und zu empfinden, wen<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a> man aufh\u00f6rte zu reden und zu schreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Briefe an Sie, gesendet nach Norden,<a href=\"#_edn2\">[b]<\/a> erfreuten sich eines herzlichen, warmen Empfanges. Italien hat Ihr, zur Theilname und Freundschaft, geschaffenes Gem\u00fct, nicht verengt, und ich wei\u00df, da\u00df diese Zeilen eine eben so g\u00fctige Aufname in S\u00fcden<a href=\"#_edn3\">[c]<\/a> finden werden!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich dachte an Sie und Ihre Schwester,<a href=\"#_edn4\">[d]<\/a> der Sie mich recht herzlich empfehlen m\u00fcssen, gar oft &#8211; aber nie so anhaltend als seit 3 Wochen. Mir scheint, da\u00df ich alle zweyten Tag von Ihnen tr\u00e4ume. \u2013 Sie werden diese Erscheinung in meinen Gehirn, der kleinen Langen Weile zuschreiben wollen, die ich hier allein liegend und krank, doch manchmal empfinden mu\u00df. \u2013 Keinesweges \u2013 ich f\u00fchle das Bed\u00fcrfni\u00df Ihnen einige herzliche Worte zu sagen, \u2013 und Sie zu versichern, da\u00df ich mich im voraus freue, manchen angenehmen Augenblick mit Ihnen zuzubringen. Wo und wen?<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> Das ist eine andere Frage \u2013 die inde\u00df in meiner jetzt bald ganz freyen und unabhengigen Lage, leichter zu beantworten ist, als man\u2019s so beym ersten \u00dcberdenken, glauben k\u00f6nnte \u2013 Hat man die Gewohnheit langsam zu denken &amp; \u201eK\u00f6nnen Sie also nicht kommen, wo ich bin, so ist\u2019s m\u00f6glich, da\u00df ich dahin gehe wo Sie sind!<\/p>\n\n\n\n<p>Seitdem ich Sie nicht sah, hat der Zufall in meinem Leben, manchen Pr\u00fcgel geworfen: doch keinen bedeutend gro\u00dfen! Ich kann sagen, da\u00df ich in diesem 2<sup>ten<\/sup> Theil meiner Existenz, um etwas besser geworden bin \u2013 und da\u00df ich die <em>gewi\u00dfe<\/em><a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> Auflage von Thomas \u0101 K.<a href=\"#_edn5\">[e]<\/a> \u2013 manchmal in den H\u00e4nden, und oft in meinem Sinn hatte! Das Herz hat auch einige schmerzliche Augenblicke seit der Zeit erdulden m\u00fcssen \u2013 Nun aber bin ich, impassible, f\u00fcr Alles was kr\u00e4nkt und tr\u00fcbt, jedem Vergn\u00fcgen offen, aus dessen Genu\u00df kein Vorwurf, keine Reue quillt; \u2013 und ich <em>werde<\/em><a href=\"#_ftn5\">[5]<\/a> manche Stunde mit Ihnen der moralischen Freude widmen. &#8211; Ich freue mich auf Alles was Sie von Italien\u2018s klassischen Boden gesaugt werden haben; denn ich wei\u00df, da\u00df Sie nicht mit der Kleinheit und Engbr\u00fcstigkeit eines von Staub nie mehr zu reinigenden Antiquar\u2019s in Ihre Heimat widerkehren werden \u2014 sondern mit erhobenerem Sinn, und geordneterer Schwermerey, f\u00fcr alles, was gro\u00df, sch\u00f6n und edel ist. \u2013 F\u00fcr das Wenige, wodurch die Menschheit seine Nichtigkeit manchmal vergessen mag \u2013&nbsp; \u2014 \u2014. Was g\u00e4be ich daf\u00fcr, h\u00e4tte ich meinen Plutarch<a href=\"#_edn6\">[f]<\/a> mit 20 Jahren gelesen! Sie k\u00f6nnen begreifen, was ich dadurch sagen will!<\/p>\n\n\n\n<p>Um indessen auf andere Gegenst\u00e4nde zu kommen, mu\u00df ich Ihnen sagen, da\u00df ich Gordon<a href=\"#_edn7\">[g]<\/a> den Schifskapitain, viel gesehen habe, und ihn diesen Tagen hier erwarte, wo er 8 Tage ausschnaufen will \u2013 da\u00df Gordon Sie anbetet, und mir gar nicht zu geben will, da\u00df Sie auf mich zu denken Zeit f\u00e4nden, indem Sie Regen und Sch\u00f6n Wetter nel campo Romano machten. Wissen Sie noch unsere Alfieriaden!<a href=\"#_edn8\">[h]<\/a> \u2014 Gordon will mich, nach dem SalzkammerGut, Salzburg und der Schweitz begleiten, wo ich einen Theil des Sommers zu bringen will. Da werden wir von Ihnen genug sprechen \u2013 nicht genug f\u00fcr mich \u00fcbrigens. Von meinem Leben nach 4 Monaten, wei\u00df ich noch nichts \u2013 So viel ist aber gewi\u00df, da\u00df ich noch viel herumrutschen werde bis die Zeit kommen wird \u2014 in die Erde zu rutschen. Wie froh bin ich diesen Ausdruck gefunden zu haben. Der Tod verliert durch ihn einen Theil seiner Schrecknisse! \u2013 Was ich inde\u00df in reiner Zukunft einigerma\u00dfen ahnde und witters <em>ist<\/em>,<sup>5<\/sup> da\u00df ich nie in einem Verh\u00e4ltni\u00df mit einem Weibe seyn werde,<a href=\"#_ftn6\">[6]<\/a> <em>welches<\/em><sup>5<\/sup> man, Heirat, hei\u00dft, sondern \u2013 so schlechtweg, ohne Zeremonien \u2014 Wie Abeilard und Heloise<a href=\"#_edn9\">[i]<\/a> im ersten Aufzug \u2014 so wie Aristiso und Lais ect. ect. so beyl\u00e4ufig, ja, das glaube ich \u2013 und erraten Sie nicht, mit wem ich in einer solchen Verh\u00e4ltni\u00df seyn werde \u2013 so ist mir schon zu helfen \u2013 und ich mu\u00df meine Philosophie um einen Grad wieder h\u00f6her spannen. Sie haben aber ein gef\u00fchlvolles Herz, und hatten wenn Sie ehrlich die Wahrheit gestehen wollen, f\u00fcr mich immer eine kleine Schw\u00e4che gehabt \u2013 die Sie mir, Liebe Lulu, in so vielen Gelegenheiten, wo es meinem Herzen Balsam war, zu erkennen gaben \u2013 War es lediglig Mitleid inde\u00df \u2013 so nehmen Sie auch daf\u00fcr meinen innigen Dank \u2013 jetzt da die Zeit, die die Wunden zu vernarben pflegt, auch \u00fcber mich hinweggezogen ist, bleibt in mir kein Bed\u00fcrfni\u00df, bemitleidet zu werden \u2013 Gottlob, ein Theilnehmendes Andenken aber ist meinem Gl\u00fccke notwendig.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">Sz\u00e9chenyi<\/p>\n\n\n\n<p><em>Schreiben Sie mir ein paar Worte nach Wien; aber gleich nach Empfang Die\u00dfes, und behalten Sie mich in Ihrem Andenken<\/em><a href=\"#_ftn7\">[7]<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Sz\u00e9chenyi\u2019s underlining with wavy line. <\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Instead of wenn.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Instead of wann.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Sz\u00e9chenyi\u2019s underlining with straight line.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref5\">[5]<\/a> Interlining afterwards.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref6\">[6]<\/a> One word deleted.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref7\">[7]<\/a> On the fourth page of the letter, on the left-hand side, written perpendicular to the text.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-css-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref1\">[a]<\/a> Countess Ludovika Franziska Maria Th\u00fcrheim (1788\u20131864), Austrian writer and painter, sister-in-law of Prince Andrey Razumovsky. She is best known for her memoir\u00a0<em>Mein Leben<\/em>, in which she chronicled life as an aristocrat in Vienna.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref2\">[b]<\/a> I. e. when he was in Russia.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref3\">[c]<\/a> I. e. in Italy.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref4\">[d]<\/a> The countess had three sisters, Isabella (1784\u20131855), Constantine (1785\u20131867), wife of Prince Razumovsky, and Josephine.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref5\">[e]<\/a> He refers to the work of Thomas Kempis <em>The Imitation of Christ.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref6\">[f]<\/a> He refers to Plutarch\u2019s <em>Vies des hommes illustres<\/em> (Paris, 1804), which he had in his library.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref7\">[g]<\/a> Navy Captain J\u00e1nos Gordon.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref8\">[h]<\/a> Probably a reference to a work by the Italian playwright Vittorio Alfieri (1749\u20131803).<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ednref9\">[i]<\/a> H\u00e9lo\u00efse (1095\u20131164) was a pupil and lover of the French scholastic philosopher Pierre Ab\u00e9lard.<\/p>\n\n\n\n<p>Recommended reference:<\/p>\n\n\n\n<p>Istv\u00e1n Sz\u00e9chenyi to Luise Th\u00fcrheim, Cenk, 29 May 1824. Edited and annotated by Szilvia Czinege. Published in Correspondence of Istv\u00e1n Sz\u00e9chenyi. Digital edition. Edited by Szilvia Czinege and Zolt\u00e1n F\u00f3nagy. https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/ Abbreviation for further references: SzIL-Digit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>His letters were warmly received. He has thought a lot about her and her sister over the past three weeks and looks forward to spending many pleasant moments together. Since her absence, chance has dealt him many blows, but he is somewhat better now. He is expecting ship captain Gordon, who wants to spend a few days with him and then accompany Sz\u00e9chenyi to Salzkammergut and Switzerland. He knows nothing about his life four months later, but he is sure that he will not marry.<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3448],"tags":[3418],"language":[3416],"addressee":[4576],"place_of_writing":[3385],"qualification":[3383],"place_of_keeping":[4888],"place_of_publication":[4889],"class_list":["post-14581","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-youth","tag-emotions","language-german","addressee-luise-thurheim-en","place_of_writing-cenk-en","qualification-original","place_of_keeping-mnl-ol-p-625-b-no-104-en","place_of_publication-bartfai-adatok-1-47-49-en"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14581","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14581"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14581\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14584,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14581\/revisions\/14584"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14581"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14581"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14581"},{"taxonomy":"language","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/language?post=14581"},{"taxonomy":"addressee","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/addressee?post=14581"},{"taxonomy":"place_of_writing","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/place_of_writing?post=14581"},{"taxonomy":"qualification","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/qualification?post=14581"},{"taxonomy":"place_of_keeping","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/place_of_keeping?post=14581"},{"taxonomy":"place_of_publication","embeddable":true,"href":"https:\/\/szechenyilevelezes.abtk.hu\/en\/wp-json\/wp\/v2\/place_of_publication?post=14581"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}