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Recipient Selina Meade
Place of Writing Vienna
Date 1821. March 10.
Language German
Tag emotions
Location of Preservation MTA KIK Kt K 220 4v–5v.
Place of Publication SzIN II. 138–139., Kovács-Körmendy-Mázi-Oplatka 57.
Classification Draft
Content Summary

The letters he sends back were in Countess Esterházy’s possession. He asks her to read his letters again and imagine herself in his place. He has to cry over himself, as if he were possessed by madness. He feels that she has treated him cruelly and that he does not deserve this. He doesn’t understand why they shouldn’t remain friends. He’s saddened, feeling that his life hangs by a thread.

Selina Meade

Die Briefe die ich Ihnen[a] hier zurücksende waren längst bei Gr[1] Est.[b] die jede Gelegenheit gesucht die Sie mieden,[2] Sie Ihnen zuruck zu geben,[3] die Sie hat2 sie einst aus Ihren Händen empfingen – ich fühle in meiner Brust keine Bitterkeit gegen Sie, theueres Wesen – und wenn Sie mich auch recht bedauerungswürdig auf mein ganzes Leben gemacht haben, so will ich mich in meinem Innern3 Ihres Glückes3 freuen —

Lesen Sie Ihre Briefe noch einmahl durch — und setzen Sie sich in meine Lage — Ich baute meine Seeligkeit auf Ihre Treue, und kann mich jetzt mit aller meiner Religion Jugend und Denkkraft nicht fassen – und wollte sie Ihnen wieder selbst zuruckstellen, denn Sie hing mit wahrer Freundschaft an Sie – und glaubte diese Art die beste[4] wenn ich vergleiche, was ich mit Ihnen geworden wäre und was ich nun bin. – Ich muß über mich selber weinen —3 meine erkünstelte Gleichgültigkeit und der Zwang in welchen ich lebe2 muß3 endlich schwinden, und was dann, wenn ich wagen werde das erstemal einen Blick in mein Inneres zu werfen — Werde ich mein Leben dann2 ertragen können.

Mein Kopf ist wie vom Wahnsinn ergriffen – und henge nur schwach am Leben –

Sie haben mich recht elend gemacht, mein Herz ist tödtlich verwundet – und ich henge nur schwach am Leben — Gott möge Sie aber glücklich machen

Sie haben von mir sogar übel gesprochen – Hab ich Unglücklicher2 denn das auch verdient — ? Sie waren gewiß gegen niemand so grausam und hart als gegen mich — und die S—,[5] wie undankbar sind Sie gegen die[c] — haben Sie das im Herzen nie gefühlt – nie darüber nachgedacht —. Gott weiß, wir beide wollten Ihr Glück und wollen es noch immer aus reinem Herzen — Warum blieben wir nicht Freunde wenigstens – wenn das Schicksal uns auch trennen wollte2 — Ich begreiffe3 es2 nicht —. Konnten Sie von Liebe nur zum Haß übergehen –. Sie haben mich mit allem entzweyt, meine Heimath machten Sie mir fremd – Sie nahmen mir den Glauben3 an die ganze Menschheit – und wie Kalt und gelassen thaten Sie alles das – was Sie nun auf immer vergessen zu haben scheinen.[6]


[1] Corrected word. Gräfin

[2] Interlining afterwards.

[3] One word deleted by Széchenyi.

[4] Inserted afterwards.

[5] Sophie

[6] Széchenyi subsequently revised the order of the paragraphs throughout the draft; the text published here is the version he intended to be final. At the end of the letter, a different version of the text was marked for insertion into the first paragraph, but in the end, he did not cross out the text at the intended insertion point, nor did he mark the insertion. The alternative text reads: Gr E, wollte sie Ihnen längst zuruckgeben, und hatte sie bei sich – Sie mieden aber jede gelegenheit in welcher sie sie Ihnen mit Sicherheit zuruckstellen hätte können.


[a] Selina Meade (1797–1872), sister of Széchenyi’s sister-in-law (Countess Caroline Meade /1794–1820/, first wife of Pál Széchényi), married in 1821 to Count Karl Clam-Martinic. For more about Széchenyi’s feelings for Selina Meade: SzIN 1. CXXIX–CXXXV.

[b] Wife of Count Vince Esterházy (1781–1835), friend and cousin of Széchenyi, Princess Zsófia Liechtenstein (Sophie Vinzenz) (1798–1869).

[c] Vince Esterházy and his wife supported Széchenyi’s intention to marry.

Recommended reference:

István Széchenyi to Selina Meade, Vienna, 10 March 1821. Edited and annotated by Szilvia Czinege. Published in Correspondence of István Széchenyi. Digital edition. Edited by Szilvia Czinege and Zoltán Fónagy. https://szechenyilevelezes.abtk.hu/ Abbreviation for further references: SzIL-Digit.

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