He had a pleasant time both at the Schlegels and the Kaunitzes. It’s been a long time since he heard from home. He is borrowing money in Ancona because he has no banker in Rome. He’s frugal, but he still spends more than he thought he would. He sends a wreath of roses to his parents each.
Rom den 13ten August 1818.[1]
Vorgestern bin ich von Genzano zurückgekommen.[a] Frau von Schlegel[b] hat mir noch mehrmal aufgetragen sie in Ihrem Andenken zuruckzuruffen. Sie scheint glücklich und zufrieden in der herrlichen Gegend von Genzano ihre Täge zu verleben, wohin sie der reinen Luft wegen mit mehrere teutschen Frauen, die gewöhnlich in der kühleren Jahreszeit in Rom hausen geflüchtet hat. nicht so sehr um die Langeweile des Stadtlebens zu meiden, als um denen Krankheiten der Malária, die sich gar oft, wie man sagt, in dieser saison gefährlich zeigen glücklich zu échappiren. Sie genießt die Freude mit ihren Söhnen,[c] die sie erstaunt liebt, dem ganzen Sommer zubringen zu können – der eine von ihnen ist ein ausgezeichneter Mensch und zugleich ein talentvoller Maler, der andre ist von der Natur stiefmütterlicher behandelt, und malt, nicht gar gut, und zusehr im alt teutschen Genre, indessen er wegen seiner Bescheidenheit, und seinen Anspruchslosen Wesen, die Liebe aller jener gewonnen hat, die mit ihm leben. – Morgen werde ich wahrscheinlich noch dableiben, da der Pabst dem Volk einen Seegen giebt, den will ich mit mir auf die Reise nehmen: schaden kann’s ja doch nicht, und ich versäume nur einen einzigen Tag. Gr.[2] Lützow[d] gab mir rendez-vous auf dem 15ten und wird sich nicht früher einschiffen können als dem 17ten und da komme ich gerade zurecht. Meinen Aufenthalt in Frascati bei der Fürstin Kaunitz[e] habe ich mir recht angenehm gemacht; besser, denke ich, werde ich’s, in allen meinen Reisen nicht mehr bekommen können. Sie und ihre Famille sind äuserst liebenswürdig, und ich kann mich nicht weniger als alle Östreicher, die durch Rom reisen und sie besuchen, dieser aimablen Hospitalität rühmen, die sie ohne Unterschied gegen[3] jederman ausübt. –
Ich habe schon so lang keine Nachricht vom Hause, lieber Vater, daß ich mich oft ganz fremd geworden glaube, und, als ob ich gar nicht mehr zu Ihnen gehörte! Wer hätte denken können, daß Gr.2 Lützow so lang’ sich nicht einschiffen werde! ich würde Sie ganz gewiß gebethen haben, mir nach Rom und Ancona[f] zu schreiben: das war aber schlechterdings nicht vorauszusehen, und ich bin unglücklich genug so lange[4] von Ihnen und meiner Mutter kein Wort zu wissen — Sie können denken, daß ich Sie desto fleißiger und inniger in mein Gebeth einschließe, jeh weniger ich von ihnen weiß —4 den[5] das3 ist ja doch der einzige Trost der uns bleiben kann, wenn wir von denen getrennt sind, die wir lieben und von denen wir gar nichts erfahren können. Der gute Gott möge über Sie und meine liebe theure Mutter wachen, und Sie vor allen Ungluck beschützen – mir geht’s Gottlob gut, den5 ich bin gesund und denke mich fröhlich.
In Rom hab’ ich keinen Banquier – werde also wahrscheinlich in Ancona Geld nehmen, da es möglich ist, daß ich in Corfu[g] ausschiffen und meinen Weg nach Constantinopel über Land machen werde. – Ich gebe mir recht viel Mühe, so viel Oeconomie wie möglich in meine Ausgaben zu3 setzen, indessen gebe ich doch mehr aus als ich dachte = in dieser hinsicht werden Sie aber nie mehr einen Kummer oder auch die geringste Sorge über mich zu erleben haben – das kann ich Ihnen versprechen, den5 ich habe meine Leidenschaften zu bekämpfen gelernt, das lieber Vater, können Sie mir glauben.
Übermorgen gehe ich weg, und werde Ihnen von Ancona wieder schreiben – zum letztenmal aus denen Ländern die keine Quarantaine haben – dan lieber Vater weiß ich nicht recht wie Sie regelmäßig meine Briefe werden bekommen können vertrauen Sie aber, so wie ich, auf Gott, der mich schützen und in allen meinen Unternehmungen begleiten wird. –
Wenn Sie dem Herrn Staats Rath Hudelist[h] etwa sehen sollten, so bitte ich Sie, lieber Vater, mich in seinen Andenken bringen zu wollen, ich möchte gerne beweisen welche Hochachtung ich für ihn habe, den5 er meint es gewiß gut mit Ihnen und mit uns allen, das glaube ich ganz fest: Wenn nur alle Menschen so gerade so bieder wären! wie er es ist, es wäre noch einmal so gut zu leben.
Ich küsse meine liebe Mutter tausendmal ~ Empfehlen Sie mich meinen lieben Brüdern und Schwestern, meiner Schwägerin Louise[i] und Caroline,[j] und der guten Nani Desfours[k]
Stepherl
Hier beigeschloßen sende ich zwei Rosenkränze dem einen für Sie und dem andern meiner guten Mutter. Ich werde mir alle Mühe geben, so oft als möglich, Ihnen Nachricht von mir zu schicken ~~ Noch allen Informationen die ich bis jetzt eingezogen habe, ist die Reise in Griechenland mit gar keiner Gefahr und äuserst vielen Agrément verbunden — von der Pest hört man übrigens gar nichts neues, und scheint ausgestorben zu sein.
[1] Széchenyi’s underlining with wavy line.
[2] Graf
[3] Interlining afterwards.
[4] One word deleted.
[5] Instead of denn.
[a] See also his visits to Genzano and Frascati in the previous letter of 9 August 1818.
[b] Dorothea Mendelssohn (1764–1839) and her husband (Karl Wilhelm) Friedrich von Schlegel (1772–1829), German writer and statesman, one of the founders of German Romanticism, were closely associated with Ferenc Széchényi.
[c] Johannes (originally Jonas, 1790–1854) and Philipp Veit (1793–1877), the sons of Dorothea Mendelssohn’s first marriage to the banker Simon Veit (1754–1819), were painters.
[d] Count Rudolf von Lützow (1780–1858), Austrian diplomat, Austrian ambassador to Constantinople (1818–1823), then ambassador in Rome (1827–1848). Széchenyi traveled with him to Constantinople.
[e] Prince Aloys Wenzel von Kaunitz-Rietberg (1774–1848) was an Austrian diplomat, Austrian ambassador to Madrid (1815–1817) and later to the Holy See (1817–1820). His wife was Countess Franziska von Ungnad von Weissenwolff (1773–1859).
[f] An Italian port city on the Adriatic coast.
[g] Corfu is a Greek island near the Albanian coast.
[h] József Hudelits, counsellor at the court chancellery.
[i] Countess Aloysia Clam-Gallas (1781–1822), Lajos Széchényi’s first wife.
[j] Caroline Meade (1794–1820), Pál Széchényi’s first wife.
[k] His cousin Countess Mária Anna Barbara Desfours (1788–?).
Recommended reference:
István Széchenyi to Ferenc Széchényi, Rome, 13 August 1818. Edited and annotated by Szilvia Czinege. Published in Correspondence of István Széchenyi. Digital edition. Edited by Szilvia Czinege and Zoltán Fónagy. https://szechenyilevelezes.abtk.hu/ Abbreviation for further references: SzIL-Digit.