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Recipient Ferenc Széchényi
Place of Writing Ancona
Date 1818. August 17.
Language German
Tag travel
Location of Preservation MNL OL P 623 A-I.-9.-No.44/19.
Place of Publication Zichy 194–195.
Classification Original
Content Summary

He doesn’t mind arriving a day and a half late, because he had a nice time in Rome. The next day they are leaving for the Ionian Islands. He trusts in Providence and does not believe the rumours of the plague, robbers and wolves.

Ferenc Széchényi

Ancona[a] dem 17ten August 1818[1]

Heute früh bin ich angekommen, um 1 ½ Tag später als ich dem Gr.[2] Lützow[b] rendezvous gegeben habe. Es ist freilich schlecht so unexact zu sein — mir ist’s aber nicht leid, den[3] ich benützte meine Zeit in Rom auf eine so angenehme Art, daß mir das Andenken der verlebten Zeit1 einen viel größeren Genuß gewähren würde im Fall der Brig[c] auch schon weggesegelt wäre, als es mir Freude gemacht hätte mit aller Bequemlichkeit mich einzuschiffen, wenn ich auch nur um eine halbe Stunde meine Abreise von Rom hätte beschleinigen[4] sollen — das war mir aber nicht möglich – und ich risquirte dem lieben[5] Orione (der mir jetzt unbezahlbar ist) zu verfehlen, mit großer Entschloßenheit — den3 der Gr.[6] Lützow hätte auf mich nicht eine Stunde gewartet – Er ist in Geschäften – daher konnte mein Ausbleiben ihm auch kein disappointment sein — Mir wäre es aber äuserst unangenehm gewesen – einige Tage in Ancona sitzen bleiben zu müßen, und dem Trajet[7] bis Corfu endlich in einem kleinen Schif zu[8] wagen. Es hat sich aber alles aufs beste abgefunden, und morgen in der Früh gehts, wenn das Wetter sich nicht mehr ändern will in vollen Segeln nach denen Jonischen Inseln[d] — Ich hab’ keine Idee von meiner Reise – von Corfu werden Sie Briefe von mir bekommen, nur preveniere ich Sie, daß Sie sich gefast machen müßen lang’ ohne Nachricht von mir zu bleiben – enfin darüber brauche ich gar nichts mehr zu sagen – Sie wißen es besser als ich, wie viele Hinderniße im Weg liegen — um uns jede Correspondenz beinahe unmöglich zu machen – Indessen habe ich eine Consolation, die mich nie verlaßen wird – und die Sie wieder besser verstehen können als ich – zu der Sie sich wenden müßen – wenn manchmal Ihr Vater Herz Sie vergeßen machen würde, daß ein höcheres Wesen über uns schwebt – und daß ich nie so unglücklich sein werde, von dem selben verlaßen zu sein. Übrigens ersäuft der, der ins Wasser fällt und nicht schwimmen kann –, der wird krank der seine Gesundheit nicht achtet – dem gehts nicht gut der sich nicht währen[9] kann — der liebe Gott will daß wir auf ihn vertrauen aber nebstbei, daß wir uns auch ein wenig rühren und uns kümmern – datzu ist[10] die Vernunft, die Hände —. Alles das hab’ ich auch benützt und ich hab‘ auf das meiste gedacht. – und ist’s der Vorsicht unumstößlicher Wille nicht mich während meiner Reise von der Welt abzuruffen, so will ich gesund und vergnügt Sie umarmen, den3 ich will mich, und hab’ alles um mich zu erhalten. – Vergeßen Sie8 das niemals. Alle die Reden die man von der Gefahr hielt die man in denen Ländern begegnen soll, die ich bereisen werde, sind eben so unvernünftig als ungegründet kein Wort war.[11] – Es ist keine Pest, keine Räuber, keine Wölfe! nun vor was soll ich mich den3 fürchten, übrigens haben wir Waffen, und Arzneien. –

Leben Sie wohl, meine Mutter küße ich tausendmal denken Sie manchmal an mich, und schließen Sie mich in Ihr tägliches Gebeth.

Stepherl


[1] Széchenyi’s underlining with wavy line.

[2] Grafen

[3] Instead of denn.

[4] Instead of beschleunigen.

[5] Széchenyi’s underlining with straight line.

[6] Graf

[7] French: course.

[8] Interlining afterwards.

[9] Instead of wehren.

[10] One word deleted.

[11] Instead of wahr.


[a] An Italian port city on the Adriatic coast.

[b] Count Rudolf von Lützow (1780–1858), Austrian diplomat, Austrian ambassador to Constantinople (1818–1823), then ambassador in Rome (1827–1848). Széchenyi traveled with him to Constantinople.

[c] A two-masted sailing warship named Orione.

[d] An archipelago along the southwest coast of Greece, its largest and most important port is Corfu. The islands were under British rule at that time.

Recommended reference:

István Széchenyi to Ferenc Széchényi, Ancona, 17 August 1818. Edited and annotated by Szilvia Czinege. Published in Correspondence of István Széchenyi. Digital edition. Edited by Szilvia Czinege and Zoltán Fónagy. https://szechenyilevelezes.abtk.hu/ Abbreviation for further references: SzIL-Digit.

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