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Recipient Ferenc Széchényi
Place of Writing Athens
Date 1819. January 30.
Language German
Tag money travel
Location of Preservation MNL OL P 623 A-I.-9.-No.44/12.
Place of Publication Zichy 274–275.
Classification Original
Content Summary

Two days before the letter was written, an English architect went mad and shot another Englishman, who was fortunately only injured. He withdrew 4,000 piasters worth 1.500 forints from the consul. He took part in an excavation at Cap Zoster, where he found a broken mug and a vase.

Ferenc Széchényi

Geschrieben in Athen den 30ten Jäner 1819[1][a]

Mein lieber guter Vater, in diesem Ort ist man, so nahe er auch von unseren Ländern ist, zu sehr aus dem Wege, daß man, nicht Monathe, Jahre, kann ich sagen ohne Nachricht zu bleiben pflegt – und wenn auch alle halbe Jahr einmal eine directe[2] Gelegenheit von hier nach Constantinopel sich vorfindet, so erfährts man gewöhnlich in letzter Augenblick den[3] der Waiwode in dieser Stadt ist so ungefällig und gegen die Franken so unfreundlich, daß er gerade eine Stunde früher als der Tartar den er versendet, aufbricht, die Consuls davon unterrichtet. Es bleibt mir also nichts anders übrig, als Ihnen, ganz kurz zu sagen, daß ich einen langen Brief vor 3 Tagen einem Schif’s Capitain der neben Cap Colonna vorbeisegelte, wo ich eben war, anvertraute, daß ich aber fürchte, daß Sie ihn nicht so bald erhalten werden,[b] als ich’s wünschte – und daß ich meine Abreise um 8 oder 10 Tage aufgeschoben habe. – Vorgestern ist ein englischer Architekt, den eine unglückliche Leidenschaft und die Längeweile hierherbrachte, bei der Nacht, zum Narren geworden – er ladete seine Pistolen und nachdem er sie nach Mitternacht, die Stunde wo man in Athen 4 bis 5 Stunden schon geschlafen hat, einigemal abgefeuert und Hausgenoßen aus einem glücklichen Schlummer erweckt, schoß er endlich, einen dummen Bedienten eine noch dummeren Engländer, der so vernünftig war sich vor dem Narren der alles vor sich trieb, niederzuknien und um Gnade zu bitten, auf einem Schritt durch den Kopf –.  Der Allmächtige hat aber den Tod dieses Mannes noch nicht gewollt und er ist nur verwundet und aus aller Gefahr. – Welche Geschichte und Auflauf aber dieses Ereigniß verursachte können Sie sich nicht vorstellen – da nun die Franken in der Türkey doch mehr oder weniger unterdrückt sind und zusammen halten, und ihre unglücklich gewordene Brüder auf- oder forthelfen müßen, so entschloß ich, so lange hier zu bleiben bis der Verwundete nach Malta, dessen Eiland Einwohner er ist, der Narr aber, nach Corfu oder England versendet wird. –

 Gestern nahm ich 4000 Piaster bei dem Herrn Gropius,[c] unsern Consul hier auf, unterschrieb den Wechsel für 1500 Gulden C. M.[4] – Haben Sie doch die Güte, lieber Vater ihn zu berichtigen. –

Meine Gesundheit ist leidentlich. Den 1 Mai werde ich vieleicht in Neapel sein. Schreiben Sie mir dahin ich bitte Sie,. Wenn Sie nur gesund sind, und manchmal an mich denken. Es ist so lang daß ich von Ihnen gar keine Nachricht habe. – Wie hart mir das ist, und wie schwär zu ertragen, brauche ich Ihnen, theuerster Vater, nicht zu betheuren. Mein ganzes Zutrauen setze ich in Gott, der Sie schützen und segnen wird.

In der Eile hab‘ ich unrecht angefangen – vergeben Sie mir‘s:[d] den3 so eben kam ich erst von Cap Zoster[e] nach Hause, wo ich Grabe,2 und wo ich nebst andern zerbrochnen und unbedeutenden Erdgeschiere, mehre ganz kleine aber niedliche, Krüge und Vasen, gefunden habe. Auf meinen Tisch fand ich ein Zettel, daß in einer ¼ Stunde ein Tartar seinen Mantelsack zusammenpackt und nach Const. reiten wird.

So haben sich die Sachen zugetragen – und es ändert sich alles um mich und in mir selbst — Ich wollte wünschen, es wendete sich gegend’ Bessern – nur eine Sache2 bleibt treu und unverändert in diesem und dem andern Leben, und das ist meine Liebe, meine Dankbarkeit für Vater und die innig geliebte Mutter.

Geben Sie mir Ihren Segen

Stepherl


[1] Széchenyi’s underlining with wavy line.

[2] Széchenyi’s underlining with straight line.

[3] Instead of denn.

[4] Conventionsmünzen


[a] There is no entry in his diaries from 6 January to 6 February 1819, so we can learn about what happened to him from his letters written during that period.

[b] The letter is unknown.

[c] Georg Christian Gropius (1776–1850) Austrian Vice Consul in Athens.

[d] He started writing the letter on the last page, i.e. he went backwards.

[e] Southeast of Piraenis, around Vari.

Recommended reference:

István Széchenyi to Ferenc Széchényi, Athens, 30 January 1819. Edited and annotated by Szilvia Czinege. Published in Correspondence of István Széchenyi. Digital edition. Edited by Szilvia Czinege and Zoltán Fónagy. https://szechenyilevelezes.abtk.hu/ Abbreviation for further references: SzIL-Digit.

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