The English servant shot by the architect a few days ago has died. He enjoyed his time in Athens very much, and counts it among the more pleasant periods of his life. He regrets that he was only able to stay in some places for a short time. He has received money from the consul, totalling 2200 ducats he has spent, and fears that his father will be displeased.
Geschrieben in Athen den 3ten Februar 1819[1]
Mein lieber guter Vater, Meine Abreise ist endlich auf morgen festgesetzt. – Der Bediente des Engländer, den der Architect (dessen Landsmann) in einem Acces von Narrheit bedeutend verwundet hat. ist gestern gestorben. Ich habe Ihnen, vor einigen Tagen geschrieben[a] und von dieser Begebenheit Erwähnung gemacht. Sie haben meinen Brief wahrscheinlich erhalten: diesen hier, den ich in diesem Augenblick in Ermangelung von Brief Papier, auf Zeichen Papier schreibe, will ich bei unserm Consul in Athen, Herr Gropius[b] zurücklassen, der ihn so lang behalten wird, bis sich eine Gelegenheit nach Constantinopel nach Triest oder nach Smyrna vorfindet. Er wird lange liegen bleiben, den[2] Athen ist glatterdings auserhalb der Khristenheit. Ich bin zufrieden wenn er nur einmal in Ihre Hände kömt, um Ihnen als ein Beweis zu dienen, daß ich keine Gelegenheit versäume – Ihnen und meiner lieben Mutter Nachricht von mir zu geben. –
Ich habe eine glückliche Zeit hier verlebt! und der kurze Aufenthalt in Athen wird mir immer zu denen angenehmeren Jahren und Epochen meines Lebens gerechnet werden! – Mir ist’s unangenehm, Athen zu verlaßen, und ich hätte mich gewiß länger hier gelassen,1 wenn ich von Ihnen, lieber Vater, endlich eine Nachricht zu erhalten, die Hoffnung haben hätte können – da aber das durchaus nicht wahrscheinlich ist – und ich keine Freude mir gewähren, keine frohe Stunde genießen kann ohne zu wissen, daß Sie und meine theure Mutter mich noch ein wenig lieben, und gesund und zufrieden sind, so entschloß ich mich, ohne Aufenthalt die Morée[iii] zu durchreisen, um dan bald dahin zu kommen, wo ein Briefwechsel uns wieder offen stehet und wo ich das Glück haben kann, Ihre Briefe, theure Eltern, an meine Lippen drücken zu können. –
Der ewige Wechsel der Gegenstände, in welchem ich lebe, und die an einander gereihten Scenen der interessantesten Gegenden die wir sehen können, wird in meinem Gedächtniß gewiß immerfort einen tiefen Eindruck zurücklassen — Schade ist es, daß ich mich an manchen Örtern zu kurze Zeit nur aufhalten kann, und über das schöne und angenehme Land so zu sagen, nur hinweg gleiten muß — das was in mir zurückbleibt, wird vieleicht bald, durch andre Gefühle ausgewetzt sein — und nur die tiefen Furchen zurücklassen. die uns wie durch einen Nebel — unbestimt an glückliche Tage errinneren – ohne daß wir der Ursache mehr uns[3] entsinnen können. Heftige Eindrücke verscheuen andre, und machen die verschwinden, die sich in ruhigen Stunden in unserer Seele sich allmächtig[4] bildeten. — Auf die fürchte ich mich, das gestehe ich, und ahnde sie, den2 nicht gerne würde ich3 durch Schmerz oder Freude aus diesem ruhigen Gleichgewicht gebracht werden — den,2 es weiß der liebe Himmel, wie viel es mir gekostet hat, mich so weit einzuwiegen als ich’s Gott lob nun bin. Und fürchte mich auf diese Eindrücke, den2 viele Proben, harte, unvergeßliche hat mir das Geschick auferlegt — nicht in allen dem, was mich umgiebt,[5] den2 da fehlt das Glück mir niergends – in meinem Innern aber desto mehr: — das was noch kommen mag, gehört vieleicht auch zu meinen Lehrjahren —. Diese Ruhige Stimmung die man nach Ermüdungen und Entbehrungen aller Art, allein in seiner Einsamkeit unter diesem herrlichen Himmel, genießt – auf die, gestehe ich – denke ich ganz verzieht[6] leisten zu müssen, so bald ich, in unsere Länder wieder komme! — Nur eine Sache, und sonst keine in der Welt, könnte mich noch ruhiger noch glücklicher machen – die zu erlangen ist aber vieleicht[7] schon zu spät — den2 der Anfang ist ganz verdorben und nimmermehr anzufangen. – Ihre Liebe, guter Vater und theure Mutter, meine ich – habe ich den2 die nicht ganz verscherzt, und können Sie mir noch gut sein, ohne mein ganzes Leben zu vergeßen – und ich, unzufrieden, und des Lebens müde, welche Freude, kann ich Ihnen, in der Zukunft noch geben? — Das sind so meine Aussichten, in die Zukunft — eines grau gewordenen Jünglings – der sein Leben verdorben hat. – und seine Arbeit nicht mehr verbeßern kann!
In Neapel hoffe ich ihre Briefe, lieber Vater zu finden — Indessen bitte ich Sie und meine Mutter um Ihren Seegen.
Gropius gab mir 1500 C. M.[8] Gulden, und bis jetzt gab ich mehr als 2200 # aus. – Ich fürchte mich, daß Sie mit mir unzufrieden sind, daß ich so viel ausgegeben[9] —[iv] Ich konnte aber nicht anders und bitte Sie, daß Sie mir’s glauben, den2 ich bin jetzt schon untröstlich, wenn ich denke, daß Sie unzufrieden wären, und würde, ich weiß nicht was werden, wenn ich davon eine Bestimtheit bekäme.
Der Allmächtige schütze und segne Sie
Stepherl
[1] Széchenyi’s underlining with wavy line.
[2] Instead of denn.
[3] Interlining afterwards.
[4] Instead of allmählich.
[5] Széchenyi’s underlining with straight line.
[6] Verzicht
[7] One word deleted.
[8] Conventionsmünzen
[9] Missing word: habe.
[a] LSee his letter of 30 January 1819.
[b] Georg Christian Gropius (1776–1850) Austrian Vice Consul in Athens.
[c] According to his diary, he set out from Athens on 6 February 1819 and went via the island of Egina to Patras in Morea. SzIN 1. 496.
[d] EIn this regard, his father stated in a letter to Liebenberg dated 26 April 1819, “My son’s last letter from Athens on the 3rd of February is written with the hope that he will certainly come home on the 4th. So that if God kept him, I should either take his letter from Naples these days or hug him to my heart. That we may be able to please him by this opportunity, may the gentleman take care that his last debt of 4,000 forints may be paid. For I have already omitted it from his table of liabilities which you have prepared for me.”
Recommended reference:
István Széchenyi to Ferenc Széchényi, 3 February 1819. Edited and annotated by Szilvia Czinege. Published in Correspondence of István Széchenyi. Digital edition. Edited by Szilvia Czinege and Zoltán Fónagy. https://szechenyilevelezes.abtk.hu/ Abbreviation for further references: SzIL-Digit.