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Recipient Ferenc Széchényi
Place of Writing Málta
Date 1819. March 31.
Language German
Tag money travel
Location of Preservation MNL OL P 623 A-I.-9.-No.44/6.
Place of Publication Zichy 291–293.
Classification Original
Content Summary

Due to unfavourable wind conditions, he was only able to depart for Sicily later than planned. He will be in quarantine in Messina for 14 days, so he will definitely not arrive in Naples before mid-May. He has borrowed 2.600 forints from the banker. He was happy to be in Malta.

Ferenc Széchényi

Malta den 31ten März 1819[1]

Mein lieber Vater, wiedrige[2] Winde haben verhindert, meine Reise nach Sicilien früher als heute, nachmittag anzutretten. — Alle meine Leute und meine Bagage ist bereits, auf einen ganz kleinen Cuter (mit einem Mastbaum) eingeschifft – ich selbst warte nur auf meinen Reisepaß, um mich sodan auf der Stelle auf unser kleines Schif zu begeben. Ich gehe gerade nach Messina – und werde wenn das Wetter sich gar nicht ändern sollte, 8 bis 10 Tage wahrscheinlich am Bord bleiben müßen – welches in so einen kleinen Raum nicht angenehm ist —. Da ich aber um einige Tage schon meine Abreise des Wetters wegen aufgeschoben habe, so will ich mir durch das selbe nicht mehr imponiren lassen, und in Gottes Namen mit contrairen Wind absegeln. — In Messina macht man nur[3] 14 Tage quarantaine, die man wie es heißt — durchaus,3 und auf keine Art3 verkürzen kann. Dieß lieber Vater ist wieder ein fataler Streich. Was ist aber zu machen? Geduld ist das einzige Mittel. – Es ist aber wahrscheinlich, daß ich vor der Mitte des Monat Mai in Neapel nicht ankömmen werde[4] können, wo ich endlich Nachricht von Ihnen lieber Vater, zu erhalten hoffe — nach welcher ich mich ausnehmend sehne — den[5] es ist schon so lang daß ich keine erhielt – und nicht weiß wie es Ihnen und meiner innig Geliebten Mutter, gehet –.

Bei dem Banquier Calvert Bell[a] allhier hab ich 2600 C. M.[6] Gulden aufgenommen, und an Arnstein und Eskeles[b] den Wechsel ausgestellt. – Ich habe Sie, lieber Vater, hievon in einen andern Brief, den ich vor einigen Tagen geschrieben habe,[c] prevenirt – und erklärt was mich gezwungen[7], diese große Summe aufzunehmen.

Sie können nicht glauben, wie glücklich ich bin, in Malta gewesen zu sein.[d] – Es hat mich nicht bald etwas so interessirt als zu sehen, was der Menschliche=Fleiß3 aus solchen felsigten[8] Inseln zu machen im Stande ist –. Und auffallender kann doch gewiß in der Welt nichts sein, als der Unterschied zwischen diesen 3 Inseln und allen denen anderen, die ich in meiner letzten Reise gesehen habe. Mir hat es, und so denen meinigen, nicht wenig wohl gethan von allen privatonen, auf einmal, in alle die Comfort’s, so zu sagen, herein zu fallen, die Malta, dem ermüdeten Reisenden gewährt —. und diese Comforts gehen wirklich so weit, daß ich manchmal in der Zerstreung glaubte, in England zu sein, wenn mich das herrliche Clima und der blaue Himmel nicht erinnert haben würde, daß ich weit davon weg bin. – Die Engländer die hier angestellt sind,[e] haben mich – um nicht zu wenig zu sagen, auf denen Händen getragen3 und wenn ich nicht mit allem Ernst gewollt hätte, so würde ich noch ein ganzes Jahr hier sitzen bleiben – Ich bin für die Reise in Sicilien, durch das viele gute welches ich hier genoßen[9] – wieder verdorben – Was mich aber am meisten freut, ist — manche Menschen hier kennen gelehrnt zu haben, deren Andenken, mir immerfort angenehm bleiben wird –.

Nun, lieber guter Vater, muß ich aber schließen – bevor ich aber das thue – erlauben Sie mir – alles Glück zu Ihren Namenstag zu wünschen,[f] welches das dankbare Herz, Ihres Sohnes zu fühlen im Stande ist. Mehr Worte, braucht es wohl nicht. Leben Sie wohl — und glauben Sie, daß ich glücklich und zufrieden bin, so lange ich denken kann, daß Sie und meine Mutter mich noch lieben — und das vergangene, vergeßen wollen!

Geben Sie mir Ihren Seegen

Stepherl


[1] Széchenyi’s underlining with wavy line.

[2] Instead of widrige.

[3] Széchenyi’s underlining with straight line.

[4] One word deleted.

[5] Instead of denn.

[6] Conventionsmünzen

[7] Missing word: hat.

[8] Instead of felsigen.

[9] Missing word: habe.


[a] English banker living in Malta.

[b] Baron Nathan Adam Arnstein (1748–1838) Viennese banker. In 1805, together with banker Bernhard von Eskeles, he founded the banking house Arnstein & Eskeles, which was the dominant financial institution in Austria for three decades.

[c] See the letter of 28 March 1819.

[d] He arrived in Malta on March 9 and stayed on the island for three weeks. See SzIN 1. 533.

[e] I.e. Admiral Sir Charles Vinicombe Penrose (1759–1830), his daughter Charlotte (1796 – ?), who was married to William Mainwaring (1785–1821), the Calvert bankers, and his companions, Wilson and Grant.

[f] On 2 April, Ferenc Széchényi hoped that his son would return home by then. See his letter of 21 February to Ferenc Pap. As his physical strength was visibly weakening, his wife asked their son István at the end of April to finish his journey as soon as possible (research of Gyula Viszota).

Recommended reference:

István Széchenyi to Ferenc Széchényi, Malta, 31 March 1819. Edited and annotated by Szilvia Czinege. Published in Correspondence of István Széchenyi. Digital edition. Edited by Szilvia Czinege and Zoltán Fónagy. https://szechenyilevelezes.abtk.hu/ Abbreviation for further references: SzIL-Digit.

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