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Recipient Ferenc Széchényi
Place of Writing Naples
Date 1819. May 19.
Language German
Tag money travel
Location of Preservation MNL OL P 623 A-I.-9.-No.44/2.
Place of Publication Zichy 302–305.
Classification Original
Content Summary

He arrived in Naples the night before, his luggage, uniform and one of his escorts still on their way. He has received more than 50 letters from his family, all of which he has no time to reply to. In Palermo, he drew a bill of exchange for 1000 forints, but has not informed Arnstein, and asks his father to do it for him. He thanks him for the new letter of credit and also for the freedom to dispose of it. He will arrive in Vienna around 17 June.

Ferenc Széchényi

Neapel den 19ten Mai 1819[1]

Mein innig geliebter Vater – Gestern Abend bin ich hier angekommen.[a] Seit 7 Monathen bekam ich keine Nachricht von Ihnen und meinen Anverwandten – Hier fand ich aber über 50 Briefe. Daß Sie in einer erträglichen Gesundheit sind und so alle Freunde ist mir die allererwunschteste Nachricht gewesen[b] — Auf alle diese Briefe nun zu antworten habe ich keine Zeit, und will es persönlich bald thun, umso mehr da Sie es wünschen, und ich in dem Wunsch Sie und meine theure gute Mutter bald an mein Herz zu drücken Ihnen lieber Vater gewiß vorangehe —. Weiß der liebe Gott, so ein Glück habe ich nie mehr träumen dürfen. Hinlänglich sei es gesagt daß ich in Ihrer Nähe, für den aller glücklichsten Menschen[2] mich[3] halten werde. Könnte ich in 2 3 Tagen nach Wien so würde ich heute noch abreisen um Sie desto früher zu sehen – da es aber doch länger wehrt so glaube ich gut zu handeln wenn ich Neapel nicht früher verlaße als ich alle meine Geschäfte in Ordnung werde gebracht haben. Meine Bagage und Ender[c] sind noch nicht angekommen, und wo sie sind, weiß der liebe Gott. Sie wissen ich verließ sie in Messina,[d] wo sie sich viel früher als ich einschiffen hätten sollen. – Meine Uniform ist auch mit ihnen, und ich möchte gerne zum Kaiser gehen. Ich sah noch keinen Menschen, auser im Theater – Heute früh ist Metternich,[e] Kaunitz[f] und Jablanowsky[g] ect ect nach Pastum,[h] wo sie 3 Tage bleiben. – Mein Wagen ist auf der Maut. Bevor ich nun alle meine Effecten hier erwartet, sie getheilt und abgeschickt, mit meinen Zahlungen an alle kleinen Banquiers in Sicilien, fertig geworden, Landschulz[i] Ender und den Koch[j] expediert – in Uniform herumgestiegen2 werde sein — vergehet gewiß 8 bis 10 Tage. — Wenn ich meinen Wunsch folgen wollte Sie zu sehen so würde ich heute abreisen und alles ungethan und in Confusion lassen, da es aber gegen des 11te Monath ist, daß ich diesen Wunsch immer unterdrücken mußte; und auch nun den Sommer in Italien und Schweitz den Winter aber in Egypten[4] zubringen wollte, so würde ich es für leichtsinnig halten, unverrichteter Sache hier abzugehen –. Sie lieber Vater, der an meiner Liebe für Sie doch nicht zweifeln wird – werden meine Ansicht etwa billigen — so hoffe ich. —. Da Sie mit der Versicherung „daß Sie sich nach mir sehnen„ glücklicher machten – als ich‘s zu träumen immermehr wagte so werden Sie sehen — ob ich weniger als Sie dieß Gefühl im Herzen hatte — hoffen konnte ich es aber doch nie — den[5] mein ganzes Leben und mein Betragen gegen Sie gab mir wahrlich kein Recht – auf Ihre fernere Liebe und Anhenglichkeit Anspruch machen zu können. Und ich hätte mich ohne allen Unwillen meinem Schicksal mich unterworfen „noch länger in fremden Ländern herum zu irren: den5 wenn ich auch in vieler hinsicht dummer und langweiliger geworden bin, so bin ich in mein Wißenschaft doch ein wenig weiter gekommen — und das ist, mich selbst besser zu kennen„ —  

Von Geld Geschäften nur daß,[6] daß ich in Palermo einen Wechsel von 1000 Gulden C. M.[7] ausstellte – den Arnstein[k] davon aber nicht avisirte, welches Sie thun sollen, lieber Vater. Nun sind gegen 1000 Gulden C. M.7 die ich theils selbst theils Ender in Messina aufgenommen hat – über die ich aber keinen Wechsel ausstellte – indem mein Banquier in Messina mit Wien nicht correspondirt – diese Summe werde ich von meinen Credits Brief in Neapel berichtigen. Ich für mich werde so wenig als möglich nehmen. Für die 3 Mitreisenden aber Reisegeld —. Landschulz gehet dieser Tagen nach Wien: sollte er früher als ich ankommen was ich aber nicht vermuthe – so wird er eine Anweisung von 300 ducaten an Arnstein mit bringen, die bitte ich ihm bezahlen zu lassen —

Ich danke Ihnen tausendmal für den neuen Credits Brief – und daß Sie mir erlauben meinen ganzen Credits Brief auszugeben. – Dieß giebt mir Vergnügen, den5 ich hab vieleicht doch mehr ausgegeben als ich thun hätte sollen — wird mich aber gewiß nett engagiren neue Ausgaben zu machen. – Der englische Wagen ist z. B.[8] ein zu großer Luxus — Sie aber freuen sich gewiß mit mir – wenn Sie sich in meine Laage setzen „nach so vielen fatiguen und Entbehrungen — endlich zur Heimath zu geliebten Eltern, mit ziemlich ruhiger Innern, in die bequemste Machine mich setzen zu können, die es auf der Welt giebt — Ich will recht lange nun in Wien bleiben nicht einmal auf das Land will ich gehen — um Sie liebe Eltern von früh bis auf den Abend zu sehen und von meinen Abentheuern erzählen — den5 ich bin so geschwätzig geworden wie möglich – da verspreche ich Ihnen Oeconomie zu machen. –

Heute ist der 19 – ich supponire also nun den 28te von hier weg zu gehen – zwischen hier und Rom 6 Tage zu bleiben – welches zu thun ich Ursache hab, und dan von Rom nach Wien 14 Tage. Ich will über Triest reisen welches ein Umweg ist — aber welches ich thun muß, um über viele Gegenstände mit Reiger und Schlick[l] selbst zu sprechen – die mir dunkel sind — den 17ten Juny kann ich also in Wien ankommen. Indessen werde ich Ihnen oft schreiben —

Den 12ten März war ich gerade zu See von Patras nach Malta — in dem Golf von Tarente. Wir hatten auch einen Sturm — von 4 Stunden. Es trieb uns aber in das hoche Meer – Es sind viele Schiffe die Nacht an der Küste von Sicilien um Malta an das Ufer getragen worden und verunglückt.

Geben Sie mir den Seegen. Gott ist zu gnädig, wenn er nebst allen dem Glück welches er uns theilhaftig machte – uns auch noch die Freude erlaubt uns gesund und froh wieder zu sehen –

Meiner Mutter alles was ein dankbarer Sohn fühlen kann

Stepherl


[1] Széchenyi’s underlining with wavy line.

[2] Széchenyi’s underlining with straight line.

[3] Interlining afterwards.

[4] Ägypten

[5] Instead of denn.

[6] Instead of das.

[7] Conventionsmünzen

[8] zum Beispiel


[a] For more details on his arrival, see SzIN 1. 634.

[b] On 30 April, Ferenc Pap informs Liebenberg that Ferenc Széchényi’s health is unfavourable, his legs are swollen above the knees, and that the countess therefore wished her son to hurry home if he still wants to see his father alive (findings of the research group Bárány–Spira).

[c] Johann Ender (1793–1854) an Austrian painter, who accompanied Széchenyi on his journey to the East.

[d] Italian town on the north-eastern tip of Sicily in the bay of the same name.

[e] Prince Klemens Wenzel Lothar von Metternich (1773–1859) was an Austrian statesman, Foreign Minister of Austria from 1809, chancellor of state (1821–1848) and a leading figure in Austrian politics.

[f] Prince Aloys Wenzel von Kaunitz-Rietberg (1774–1848) was an Austrian diplomat, Austrian ambassador to Madrid (1815–1817) and later to the Holy See (1817–1820). 

[g] Prince Ludwik Jabłonowski (1784–1864), ambassador extraordinary and minister plenipotentiary to the Kingdom of Sicily.

[h] An ancient Greek city on the shores of the Gulf of Salerno, famous for its excavated ruins.

[i] Julius Landschulz was a philologist and teacher of classical languages and literacy, formerly tutor to Count József Zichy. Széchenyi’s companion during his journey to the East.

[j] József Krebs Széchenyi’s cook.

[k] Baron Nathan Adam Arnstein (1748–1838) Viennese banker. In 1805, together with banker Bernhard von Eskeles, he founded the banking house Arnstein & Eskeles, which was the dominant financial institution in Austria for three decades.

[l] Bankers and merchants in Trieste.

Recommended reference:

István Széchenyi to Ferenc Széchényi, Naples, 19 May 1819. Edited and annotated by Szilvia Czinege. Published in Correspondence of István Széchenyi. Digital edition. Edited by Szilvia Czinege and Zoltán Fónagy. https://szechenyilevelezes.abtk.hu/ Abbreviation for further references: SzIL-Digit.

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