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Recipient Ferenc Széchényi
Place of Writing Naples
Date 1819. May 26.
Language German
Tag travel
Location of Preservation MNL OL P 623 A-I.-9.-No.44/1.
Place of Publication Zichy 305–306.
Classification Original
Content Summary

His men have arrived, all his affairs have been settled, and the next day he is leaving Naples, where he was received with friendship by the Emperor and his acquaintances. He sends his letter by courier, as the letter reaches Vienna that way before he does. He is looking forward to showing his notes and pictures to his parents and giving them a personal account of his journey.

Ferenc Széchényi

Neapel den 26ten Mai 1819[1]

Mein lieber guter Vater, meine Leute sind endlich alle glücklich angekommen, alle meine Geschäfte sind geendigt, alle die Besuche die ich zu machen gezwungen war, vorüber – Morgen Reise ich von hier ab — Diesen Brief nehmt ein Kurier heute mit sich fort, der viel geschwinder wie ich in Wien ankommen wird, indem er überall Pferde finden wird, und ich beinahe bis Florenz keine, auser Vetturino’s[a] die ich schon hier zu nehmen gezwungen bin, da alle Postpferde für den Gebrauch S. M.[2] des Kaisers und seiner Suite bestimmt und vorenthalten sind – Ob ich entfernt von Ihnen, lieber Vater in diesem Augenblick ruhig und glücklich sein könne, werden Sie gewiß nicht vermuthen — ich kann den Augenblick nicht erwarten Sie zu sehen, Ihre Hände zu küßen – Der Allmächtige wird sich meiner erbarmen — in dem setze ich mein Vertrauen – Ja, ich werde Sie gewiß noch sehen – ich fühle es, ich bin’s fest überzeugt – den[3] ich kann das Entgegengesetzt mir nicht vorstellen. –

Geben Sie mir doch den Seegen — ich will für Sie bethen Der Wille des Herrn geschehe„ — Sollte ich den3 wirklich das Glück des Wiedersehens nicht mehr haben? Wäre es den3 möglich, daß die Vorsicht auf eine so harte, bittre Probe uns stellen sollte? Kann es nicht glauben. Verdient hätte ich’s vieleicht –

Von meinen Reisen, und meinen Aufenthalt in Neapel kann ich jetzt kein Wort schreiben – Ich bin durchaus zu gar nichts fähig –. Sie, guter Vater sind das einzige was mich nur beschäftiget. – Mein Wunsch war als Kurier von hier versendet zu werden – Das ging aber nicht, den3 ich fand beinahe alle meine Bekannten von Wien die prenotirt sind – Nicht einmal die Erlaubniß konnte ich mir auswirken Postpferde zu bekommen! – Von meiner Ungeduld machen Sie sich keinen Begriff — In 2 Tagen hoffe ich mit dem nämlichen Vetturino in Rom ankommen zu können – Von da werde ich dan vieleicht weniger difficultäten finden.

Von Kaiser bis zum Kameraden hatte mich alles freundlich und liebreich aufgenommen. Von allen dem ein Mehreres in Wien —. Meine Zeichnungen und Journale haben die Tour von Neapel gemacht – Wie glücklich werde ich sein sie Ihnen, theuerster Vater zu zeigen!

Ich hab’ Ihnen so viel, so unendlich viel zu sagen und kann zu Ihnen nicht fliehen – Der Augenblick kömt aber gewiß — Indessen Leben Sie wohl, und geben Sie mir den Seegen.

Stepherl


[1] Széchenyi’s underlining with wavy line.

[2] Seiner Majestät

[3] Instead of denn.


[a] Horses for hireable carriage.

Recommended reference:

István Széchenyi to Ferenc Széchényi, Naples, 26 May 1819. Edited and annotated by Szilvia Czinege. Published in Correspondence of István Széchenyi. Digital edition. Edited by Szilvia Czinege and Zoltán Fónagy. https://szechenyilevelezes.abtk.hu/ Abbreviation for further references: SzIL-Digit.

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