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Recipient Princess Karl Lichnowsky
Place of Writing Vienna
Date 1820. May 31.
Language German
Tag emotions
Location of Preservation MTA KIK Kt K 216 42–44.
Place of Publication SzIN II. 17–18.
Classification Draft
Content Summary

He writes the letter with trembling hands, unhappy that he has so often upset the Countess, who judges him too harshly. He will do what his conscience tells him to do. Her niece must consider whether Széchenyi can make her happy. She asks permission to visit them.

Princess Karl Lichnowsky née Countess Christiane von Thun

Mit unsicherer Hand schreibe ich diesen Brief[1], und fühle mein Unglück tief, daß ich Sie[a] so oft in meinen Leben schon[2] betrübte – Vergeben Sie mir ich beschwöre Sie, bey Allen[3] was Ihnen heilig ist — und2 Setzen Sie sich in meine Lage um daß Sie nicht zu hart über mich urtheilen mögen.[4] ich weiß1 nicht mehr was ich thun soll –1 Sie1 Kränken das wollte ich nicht2 — ich schwöre es Ihnen — und doch muß ich’s wenn ich in meiner eigner Bewegung nicht zu Grunde gehen will — Länger kann ich aber2 so wie ich jetzt lebe2 nimmermehr leben – Geben Sie mir[5] Hoffnung, oder nehmen Sie sie ganz mit einem Mahl – reißen Sie mich nur aus[6] der schrecklichen Ungewißheit – die1 mir unerträglich ist – Fordern Sie, um Gottes Willen nichts Übermenschliches – Sie werden sehen, daß Sie mich zu streng beurtheilten daß ich nicht ganz verdorben bin — und daß ich2 Ihre Güte noch verdienen kann. — Glauben Sie nur ja nicht daß ich leidenschaftlich bin – so wie ich hoffnungslos mehr als 2 Jahre in mein Schicksal mich2 zu fügen wußte, und das sollte ein Mann können2 dünkt mir — eben so kann ich auch jetzt alles ertragen. Was mein Gewissen mir sagt das werde ich thun — und in Erfüllung meiner Pflicht, den Trost suchen, den jeder Mensch der einmahl mit sich selbst Rechnung gemacht[7],6 so viel wie ich2 zu bereuen und zu beweinen hat1 zuletzt nach vielen Jahren doch endlich finden muß. Sie werden erstaunen, glauben Sie mir, wenn Sie einmahl hell sehen,6 und über Manches aufgeklärt seyn werden – wie wenig Plan, wie2 so gar keine Feinheit so2 gar keine romanhafte Exaltation in meinem Betragen gewesen ist — –. Ihre Nichte[b] sah ich so lange schon nicht – und wäre meine Liebe zu Ihr – ein brennendes Feuer – gekannt hätte ich6 das nimmermehr — So wie ich Sie aber ruhig jetzt Liebe – und sie mir das Theuerste auf der Welt ist — so wird’s wenn Gott will,6 sie es auch2 immer bleiben — Ihre Nichte, die mich auch schon6 lange nicht sah – kennt mich im Grunde wenig — und oft ist es der Fall daß man sich durch Hindernisse und1 Trennungen dermaßen für Jemanden exaltiren kann, daß man wie blind zu lieben glaubt – und nach kurzer Zeit – wenn die gehoben sind – mit Schmerz und Reue sich selbst gestehen muß – daß man ein Ideal anbethete — und einem Wesen angehört – welches kaum Nachricht verdient —. Ihre Nichte sollte6 überdenken und das mit Kälte, ob sie mir gut seyn kann, zumahlen,6 ich es für mein ganzes Leben fordern werde – ob ich2 sie[8] glücklich machen könne – ob meine Ansichten, mein Geschmack meine Pläne die ihren sind? — Wie soll sie das wenn wir uns nie sehen können? — Und2 kann ich, sagen Sie selbst, nach dem Billet welches Sie mir geschrieben haben, Sie irgend wo begegnen ohne auf Kohlen zu seyn? Und wenn ich es auch könnts, zu was würde das führen? Was pflegt man in Gesellschaften zu sprechen — wo hunderte nur darum leben – um zu hören zu verdrehen und auszuplaudern? Ich bitte Sie daher, erlauben Sie mir, daß ich zu Ihnen komme – ich werde Alles thun was Sie befehlen — Sollten Sie’s aber nicht wollen, aus Ursachen die Sie nicht sagen — so lassen Sie mich doch nicht ohne Aller Hoffnung verschmachten und erklären Sie mir,4 wenn Sie es für Gut halten werden, daß ich endlich zu Ihnen komme. — Ich küsse Ihre Hände und bitte Sie um eine geneigte Antwort.


[1] One word deleted by Széchenyi.

[2] Interlining afterwards.

[3] Corrected word.

[4] Inserted afterwards.

[5] Three words deleted by Széchenyi.

[6] One word deleted by Széchenyi.

[7] Missing word: hat.

[8] Four words deleted by Széchenyi.


[a] Countess Christiane von Thun, wife of Prince Karl Lichnowsky (1765–1841), mother of Eduárd Lichnowsky, aunt of Caroline/Karolina and Selina Meade.

[b] Selina Meade (1797–1872), sche married Count Karl Clam-Martinic in 1821.

Recommended reference:

István Széchenyi to Princess karl Lichnowsky, in the end of May 1820. Edited and annotated by Szilvia Czinege. Published in Correspondence of István Széchenyi. Digital edition. Edited by Szilvia Czinege and Zoltán Fónagy. https://szechenyilevelezes.abtk.hu/ Abbreviation for further references: SzIL-Digit.

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