He has read the books by Stolberg, which he borrowed from the princess, with great interest, as you can see from the cover, because he soiled it a little. The work is 1600 pages long and requires a great deal of attention. Stolberg’s other works, as far as he knows them, are also long, but this can only be due to his impatience and ignorance. He is dissatisfied with his correspondents because he receives hardly any mail. He is isolated from people, so he has learned to appreciate a friendly word. But he doesn’t feel so miserable because his fellow officers are with him.
Gnadigste F.[1]–[a] die vier Theile der Reisen Gr.[2] Stollberg’s,[b] die Sie die Güte hatten, mir zu[3] leihen,[4] habe ich mit3 großem4 Interesse gelesen, obschon ich den vergangenen Herbst hie und da einige Stellen durchgeblättert hatte – und dadurch der Reitz der Neuheit einigermaßen geschwächt ward –[5] welches ich Ihnen nicht gesagt, als Sie sie mir[6] geben wollten,4 wohl wissend – welch’ Vergnügen ich daran haben werde, etwas zu besitzen, was eigentlich Ihnen gehört –. Daß ich die vier Bände viel in Händen gehabt, wird der etwas Verschmutzte Einband bestättigen, in welchen ich4 sie Ihnen zuruckzustellen wage – und deshalb sie unvergeben Bitte – Ich kann aber Bücher, die ich lese, unmöglich rein erhalten – und mich verhindern — manche Stellen, mit einem Kreutz oder Strich zu bezeichnen – die Sie auch in dem besagten Werk finden würden — sollten Sie’s noch einmal durchlassen, was ich aber nicht vermuthe4 billigen würde, denn es ist immer eine lange Arbeit3 mehr als4 1600 Seiten, einmal[7] mit Achtsamkeit durchzulesen, alles was man thun kann4 — und glatterdings eine rührende7 – Simplicität[8] wieder von A anzufangen –3 und selbst,8 das was der4 Gr[9] Stolb[10] sagt,4 — der mit aller seiner schönen4 Schreibart – manichmal von einer Weitläufigkeit[11] ist – – und von einer kleinlichen4 Auseinandersetzung, wie z. B.[12] in dem Leben Gelon‘s et Comp[13] von Sicilien[c] – daß man mehr Geduld haben muß, oder wenn Sie mir den äuserst prosaischen Ausdruck vergeben mehr Sitzfleisch (von dem eigentlich alles abhengt)8 als ich –.–. oder wenigstens4 einen geliebten Namen[d] auf dem Titelblatt des ersten Theiles aufgeschrieben — um wohl gemuth4 von Pempelford[e] die Reise über das gesammte Gebiet der Teutschen, und der Italiäner bis Wien4 zweimal durchzuwandern. – Daß ich übrigens die Werken des Gr.2 Stollb.10,3 so weit ich sie kenne, manchmal der4 Länge und der4 zu vielen11 ditails beschuldige, mag wohl meine Unwissenheit meine Ungeduld – und die Wuth nicht lange Weile haben zu wollen (aus dem alle Krankheiten und alle Seelen Übeln entstehen), Ursache tragen – . Ihnen gnadigste F1– danke ich also noch einmal, daß Sie mir einige angenehme Stunden verursacht haben –. Seit dem ich Sie nicht sah, war ich einige Zeit Landwirth – mit sparsamer Kenntniß – und wenig Erfolg – Nun bin ich wieder Soldat seit einigen Wochen, – Con amore kann ich eben nicht[14] sagen – aber mit Anstand. Ich erwache mit dem Krähen des ersten Hahnes im Dorf, und lege mich mit den Hühnern – Excerciere – Flicke Leder und Tuch — bin gelb wie eine Zitrone, habe beynahe das Fieber bekommen, welches mich glücklicher Weise dennoch4 verschonte – und trachte im ganzen, mein Leben so erträglich, in dem Morast, in welchem ich sitze, zu machen – als nur immer möglich – daß ich Ihrer und der Ihrigen oft gedenke, das können Sie mir, liebe theure Fürstinn wohl glauben – und mit solcher Ehrfurcht und Liebe – daß ich meiner vergesse, wohlfühlend, daß ich auf besonders4 Glück und besondere4 Zufriedenheit wenig oder gar keine Ansprüche machen darf.[15]
Bethalten Sie mich in Ihrem Andenken, und fahren Sie fort Nachsicht und Theilnahme mit mir zu haben.[16]
Ich bin sehr unzufrieden mit3 meinen Correspondenten denn ich bekomme beynahe gar keine Briefe – und es ist kein Posttag, wo ich nicht 3 bis 4 schreibe – Die Todten und Abwesenden haben aber Unrecht – und es ist beschwerlich ihrer zu gedenken. Ihre Tochter S–[f] und V.[g] sind auch ein paar Faule Briefsteller[h] – bis jetzt schreiben sie mir 2 Briefe[i] – Also 1 Brief in einem Monat – 2 Personen das macht 6 Briefe des Jahrs für Eine! Sich angegriffen; heiß ich das nicht – indessen ist es besser als gar nichts – und ich nehme das Wenige auch dankbar an. – Hier lernt man ein freundschaftliches tröstendes Wort hoch schätzen – wo man eigentlich von Menschen isolirt ist.3 Übrigens4 bin3 ich in der Hinsicht auch glücklicher als Andre. Meine ganze Escadron liegt hier, folglich auch meine Officiere – und was das übrige anbelangt, was zum angenehmen Leben, so zu sagen, nothwendig ist – genieße ich wohl auch in größern Grad3 denn4 einer im Regiment; als leidentliche Wohnung, gutes Essen, – niedlichen Garten – – eine mittelmässige Bibliotheque & – mit einem Wort alles, was man mit Geld sich schaffen kann – Meinen Kopf habe ich auch noch nicht ganz deshalb4 verloren14 daß ich der aller glücklichste der Menschen3 schwerlich seyn werde – und danke der Vorsicht, daß sie mir einen mittelmässigen Grad von Glückseligkeit erreichen ließ – „Elend bin ich also keines Weges, liebe Fürstinn, und verlebe in meiner Station manche angenehme und vergnügte Stunde, das Bessere mit Geduld erwartend das Schlechtere was vielleicht kommen mag, nicht besonders fürchtend — Bin ich einigen Guten Menschen, worunter ich Sie vor allen Andern zähle, nicht ganz gleichgültig – und lassen die mir die Gerechtigkeit3 widerfahren, ohne mich angehört und ungerecht zu verurtheilen – so finde ich mich nicht bedauerungswürdig ‒ ‒
Empfehlen Sie mich mit aller Achtung dem Fürst Johan3 dem Fürsten L–[j] und3 allen die meiner gedenken[k]
[1] Fürstin
[2] Grafen
[3] One word deleted by Széchenyi.
[4] Interlining afterwards.
[5] Széchenyi placed the following passage in parentheses and later rephrased it: „Ich war so falsch Ihnen dieß, damals wie Sie sie mir antrugen – nicht zu sagen – denn ich wußte im Voraus, welch’ Vergnügen es mir gewähren werde.”
[6] After it, ’antragen’ is not deleted, but he wrote over it: geben wollten.
[7] Széchenyi’s underlining with straight line.
[8] Two words deleted by Széchenyi.
[9] Graf
[10] Stolberg
[11] Corrected word.
[12] zum Beispiel
[13] Compagnie
[14] Word order change indicated.
[15] Széchenyi expressed this differently in parentheses above: „daß ich auf mein Glück und meine Zufriedenheit Verzicht leiste – wohlfühlend”
[16] An insertion mark is shown here, but there is no text to insert.
[a] Countess Sophie Josephine Fürstenberg, wife of Prince János of Liechtenstein (1776–1848).
[b] He refers to the four-volume work Reise in Deutschland, der Schweiz, Italien und Sicilien (Leipzig, 1794) by Friedrich Leopold Stolberg (1750–1819).
[c] He discusses it at length in connection with the history of Sicily.
[d] I. e. the name of Jánosné Liechtenstein is dear to him because of Henrietta.
[e] A part of Düsseldorf from where Stolberg started his journey.
[f] Sophie, the wife of Count Vince Esterházy (1781–1835), a friend and cousin of Széchenyi, Princess Zsófia Liechtenstein (1798–1869). They married in 1817.
[g] Vizenz, Count Vince Esterházy (1781‒1835).
[h] See Széchenyi’s complaint about this in a letter to Countess Vince Esterházy on 5 June 1823.
[i] The letters are unknown.
[j] Pince Johann Liechtenstein (1760–1836), prince of Liechtenstein from 1805 to 1836.
[k] He did not send the letter, he wrote another one below.
Recommended reference:
István Széchenyi to Princess János Liechtenstein, Diószeg, 29 June 1823. Edited and annotated by Szilvia Czinege. Published in Correspondence of István Széchenyi. Digital edition. Edited by Szilvia Czinege and Zoltán Fónagy. https://szechenyilevelezes.abtk.hu/ Abbreviation for further references: SzIL-Digit.