He hadn’t seen her for over three months, and there wasn’t a day that he didn’t want to write to her, but he felt very bitter and unfair, so he waited until he calmed down. He feels bitter towards the princess’s family, he sees them as enemies, but this feeling is unbearable for him because he loves them. He continues to feel that he and Henriett are a good match. He has also written to his sister, Zsófia, that she does not receive news. Otherwise, he is fine, he read Stolberg’s volumes avidly, but there were a few chapters in them that were too long and he found them boring. He apologises for not sending the books back to Vienna yet.
Nun[a] sind es über 3 Monate daß ich Sie[b] zum letztenmal sah[c] – Es ist kein Tag vorübergegangen, ohne, daß ich an Sie nicht[1] schreiben wollte.[d] Ich fühlte mich aber so leidenschaftlich, so erbittert und ungerecht, daß ich von der Zeit die Ruhe – meines Gemütes – und die richtige Beurtheilung meiner Lage,[2] erwarten wollte, und diese Gelassenheit durch welche1 man allein über seine eigne Lage zu urtheilen im Stande ist – und sich auch auf dem Standpunkt hindenken kann, von welchem andre Menschen sehen und beurtheilen.
Daß ich gegen Sie, Ihre Tochter S–[e] Ihre ganze Familie kann ich sagen, erbittert war – und noch zu Zeiten bin, kann ich und wollte auch nicht läugnen. Ich sehe, wenn ich meine Leidenschaft nicht bekämpfen kann, in Ihnen Allen, so viele Feinde und Widersacher, die meinem heiß gewunschenen Glück entgegenstehen –. Diese Stimmung ist mir aber unerträglich — und am Ende erringt mein Herz den Sieg – und ich fühle daß ich Sie und alle die Ihren, doch aufrichtig liebe – Selbst Ihre Toch[3] Se die mich recht kränkt – und in den Augenblick, wo ich so zu sagen von allen Menschen verlassen bin, mich vergessen zu scheint, kein Wort des Trostes mir gibt – mich verschmachten läßt – Ich kann sagen, daß ich allen meinen Freunden die ich je gehabt[4], minder gut geworden bin, und alle Gefühle der innigsten aufrichtigsten Freundschaft, deren ich fähig bin, in V.[f] und S-e so zu sagen vereinigte –
Ich habe in meinem Leben oft mich1 getäuscht und betrogen – Gegen andre gehandelt, wie ich’s nicht mehr wollte –
ich will einen Schleyer darüber ziehen – daß ich aber mit Ihnen immer die aufrichtigste Sprache führen werde, das schwöre ich — und mir alle Mühe geben mich selber nicht zu täuschen, und in keinem Fall in irgend einer unnatürlichen Lage, die Ihnen am Ende doch unangenehm seyn könnte, so unbedeutend ich bin – Es mag geschehen, was Gott will, bleiben wir gute Freunde!
Ihnen ist’s leichter, wie mir; – indessen wird mir‘s auch gelingen; denn ich habe viel nachgedacht. In Wien fragte ich mich – ob H[g] – für mich passend wäre – und ich konnte, bey meiner Ehre nichts anderes, als ein ewiges ja in mir finden – – Hier, und so viel vermag die Zeit! lernte ich, mich fragen, ob ich für sie passend wäre – und da kommt mir, ich kann’s nicht läugnen, die Sache ganz anders vor – so beiläufig, wie sie Ihnen am 1 Februar vorgekommen seyn mag, wen[5] ich das erstemal mit Ihnen von Hg sprach –
Sonderbar wie sehr wir träumen können, – ich zum wenigsten. Vor drey Monat – sah ich hell und heiter in die Zukunft – alle meine Wünsche – möglich: – heute sehe ich meine Lage, ich fürchte, wie sie ist – und der letzte Trost den ich in mir finden kann ist Ergebenheit in dem Willen des Allmächtigen – und der Vergleich mit so vielen Tausenden, die unglücklicher sind, wie ich es bin
Auf diese Erkenntniß meiner Selbst gründet sich meine Hoffnung, daß ich nie aufhören werde, Ihnen mein lebeLang, aus dem Grunde meines Herzens ergeben zu seyn — ob ich H-g besitzen werde – oder nicht: und ich gelobe Ihnen, daß ich eben1 so[6] als1 ich6 auf dem Besitz Ihrer Tochter nie1 verzicht leisten werde, solang sie frey ist – – eben in dem Grade mich bemühen werde, Ihnen und allen den Ihrigen, so gut zu bleiben, wie ich’s in diesem Augenblick bin.
Ich schrieb meiner Schw[7]– S–[h] vor einige Wochen[i] unter andern1– daß ich auser der W. Z.[8] und dem I. Bl.[9] gar keine Nachrichten erhalte – Vorgestern bekomme ich von Ihr einen Brief[j] in welchen Sie mir sagt ,,hätte ich gewußt daß dich P[10] Liech – S Este – (ich nannte Sie beide übrigens nicht, das konnen Sie sich vorstellen) so grausam behandeln – ich würde gerne Dir recht oft geschrieben haben“ – Sagen Sie1 nichts davon, und auch Ihrer Sorte – nicht – Sie liebt mich ja doch gewiß und auch der V–,f nur erfahre ich’s gar selten oder gar nicht, und bin in dieser Hinsicht unausstehlich.
Übrigens gehet es mir ganz gut. St[11] Reisen[k] die Sie mir borgten, las ich mit avidität – es war hinlänglich, daß Ihr Name auf dem ersten Band geschrieben stand – damit ich sie nicht mehr aus der Hand gab – Es würden mich sonst, einige, in das Unendliche gezogne Stellen, der Geschichte5 Gelons von Sicilion Z. B.[12] – gelangeweilet2 haben – Es ist mir zu gelehrt, und zu1 gründlich. Vergeben Sie mir‘s daß ich’s Ihnen noch nicht zurückgesendet. Es gehen wenig sichere Gelegenheiten von hier nach W–[13]
[1] Interlining afterwards.
[2] Széchenyi’s underlining with straight line.
[3] Tochter
[4] Missing word: habe.
[5] Instead of wenn.
[6] One word deleted by Széchenyi.
[7] Schwester
[8] Wiener Zeitung
[9] Intelligenz Blatt
[10] Prinzessin
[11] Stolbergs
[12] zum Beispiel
[13] Wien
[a] Noted on the margin of the draft: “19ten July expedirt”. This letter was therefore sent.
[b] Princess János Liechtenstein née Sophie Josephine Fürstenberg (1776–1848).
[c] On 5 April 1823 he met Henriett and his mother at the Prater. SzIN 2. 351.
[d] See the drafts to her of 29 June 1823.
[e] Sophie, Princess Zsófia of Liechtenstein (1798–1869), wife of Count Vince Esterházy (1781–1835), a friend and cousin of Széchenyi. They were married in 1817.
[f] Count Vince Esterházy, a friend of Széchenyi (1781‒1835).
[g] Princess Henriett Liechtenstein (1806–1886), later married to Count József Hunyady (1801–1869). For more about Széchenyi’s love for Henriett Liechtenstein: SzIN 2. XLI–LXI.
[h] His sister, Zsófia (1788–1865), the wife of Count Ferdinánd Zichy (1783–1862).
[i] The letter is unknown.
[j] The letter is unknown.
[k] Széchenyi refers to the four-volume work titled Reise in Deutschland, der Schweiz, Italien und Sicilien. (Leipzig, 1794) by Count Friedrich Leopold Stolberg (1750–1819).
Recommended reference:
István Széchenyi to Princess János Liechtenstein, Diószeg, 19 July 1823. Edited and annotated by Szilvia Czinege. Published in Correspondence of István Széchenyi. Digital edition. Edited by Szilvia Czinege and Zoltán Fónagy. https://szechenyilevelezes.abtk.hu/ Abbreviation for further references: SzIL-Digit.