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Recipient Princess V.
Place of Writing Unknown
Date 1819. October 20.
Language German
Tag emotions
Location of Preservation MTA KIK Kt K 216 5–7.
Place of Publication SzIN I. 736–737.
Classification Draft
Content Summary

He wishes the princess much happiness for the fantasy she has been lulled into. He sees her as a pure and perfect woman, for whom he felt a true intimate love for the first time in his life. The more he knew her, the more he was filled with her being, and it pained him to be near her.

Princess V.

den 20ten October 1819[1]

Meine beste Fürstin, ich wünsche Ihnen herzlich Glück zu Ihrer eignen Einbildung, die Sie in glückliche Träume bis izt[2] eingewiegt hielt. Sie können immerdar nur sorgenfrei Tage erleben – und das freut mich — Sie haben mich — von dem ersten Augenblick unserer Bekanntschaft so sehr zu feßeln gewußt — Sie erschienen mir eine so reine, vollkomne, erhabne Frau, daß ich in Ihrer großen Seele — mein ideal zu finden glaubte – Sie waren das Wesen, welches mir, das erstemal im Leben, wahre innige Liebe, einflößte — . Was man von Ihnen mir erzählte — von Ihrer Denkart und Leichtsinn, obschon es ungeheuer und selbst wahrscheinlich lautete — erreichte nie mein Glauben, mein Herz, — den[3] auf gesunde Vernunft war der Glaube gegründet, und das Herz war voll des unbegrenzten Zutrauens — So wie Sie’s verdienen. — Je mehr ich Sie, vollendetes Wesen, kennen lehrnte — je näher ich Ihrer großen Seele war — desto mehr erfüllten Sie mich — und mein ganzes Gemüth, mit der stillen Wehmuth — in Ihrer Nähe nunmero zu leben – und Sie bis – zu meinem Ende, wahrhaft und innig zu lieben — .

Schon früh bereits im Anfang meines Daseins – konnte ich in meinen frühlings Träumen — eine Frau – mir einbilden – deren zarte, reine Gefühle[4] zu dem Muster ihres Geschlechts Sie adelten — Auch in meiner Einbildung konnte ich Juliette mir vergegenwärtigen — Ach damals war ich noch mit der Welt – und ihren Lastern nicht bekannt, – und es war eine herrliche, mir auf immer unvergeßliche Zeit. — Mein Schicksal trieb in die Welt mich sofort — und Zeit, Umstände, und ich gestehe es, mein eigner Wille selbst, brachten mich in Verhältniße — deren Errinerung, und Andenken, mein Herz stets mit Gram und die Augen stets mit Thränen anfüllen. – Ich umarmte voll Liebe und Vertrauen die Natter die an meinem Leben zährte — mich auf das schändlichste Betrug —. So ging’s mir allemal — . Wahre Liebe innige Anhenglichkeit — die fand ich nimmermehr — kein Herz welches mit gleicher Liebe, mit gleicher Anhenglichkeit dem meinen entgegen geschlagen hätte. – Ich fühlte mich besser und redlicher denn alle die ich liebte — und von der Welt mich zurückzuziehen und einsam meine Tage zu leben — dachte ich damals — ein unerfahrner Jüngling — . Doch endigte dieß Drängen und Sehnen nach Einsamkeit und Ruhe[5] — in eine gänzliche Kälte meines Gemüth’s – und in gleichgültige Geringschätzung — der Frauen und Mädchen insgesammt – So lebte ich denn fröhlich und im Leichtsinn — den Frühling meines Lebens — Fand auch in meiner Laufbahn wenige, oder vieleicht gar keine gute Frau — bis endlich, holdes unschuldiges Weib — Sie mir nahten! Eine Erscheinung, wie ein Engel in der Morgen Dämmerung, voll der reinsten himlischen Grazie — Anmuths[6]


[1] Széchenyi’s underlining with wavy line.

[2] A variant of the archaic form ‘itzt’ of the determiner ’jetzt’ used by Széchenyi.

[3] Instead of denn.

[4] One word deleted by Széchenyi.

[5] Inserted afterwards.

[6] Unfinished.

Recommended reference:

István Széchenyi to Princess V., s. l., 20 October 1820. Edited and annotated by Szilvia Czinege. Published in Correspondence of István Széchenyi. Digital edition. Edited by Szilvia Czinege and Zoltán Fónagy. https://szechenyilevelezes.abtk.hu/ Abbreviation for further references: SzIL-Digit.

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