His mother would be happy if he got married. No matter what happens, the future cannot be calculated, so he is ready for everything. He wants promotion, but doesn’t know how to get it. He can rent out his accommodation in Vienna. He wants to travel to Cenk in October. It would be good if his debts did not increase, he is already short of 15.000 forints.
Dioszeg 1 July[a]
Ihren Brief lieber Liebenberg, habe ich zerrissen, und darüber recht vom Herzen gelacht. Meine gute Mutter schreibt mir „daß sie nichts mehr wünscht, als mich verheiratet zu sehen – Ihnen „daß ich auf alle Heiratspläne Verzicht leisten soll”. Was soll man darüber denken?[b] Gar nichts — und machen, was man soll —. Wir müssen uns nicht irre machen lassen. Was mich etwas ärgert, daß sie geschwatzt hat: und mir dadurch meine Pläne und Projecte verderben. Es ist aber gleichviel, was geschieht – wer kann die Zukunft – das Glück berechnen?[c] Deshalb bin ich auf alles gefaßt — und bin durchaus mit allem zufrieden.
Was Sie, ihre Frau und Kinder anbelangt, so ist das Komödie. Bin ich den[1] ruinirt?
Ich habe den festen Willen mich zu rangiren, nur bin ich in der Art, wie? mit mir noch nicht einig. — Auf den übelsten Fall, renoncire ich auf immer auf alle heiratsprojecte, und bleibe einige Jahre beim Regiment, wo ich gar nicht unglücklich bin. — Nach allem dem, glaube ich schwerlich, daß ich Lumley[d] nach England sende. In einem Monat wird es entschieden seyn. Dauvergne[e] brauche ich auch nicht zu behalten.
Das Wiener Quartier[f] kann ich ausgeben — und brauche nicht mehr als 24 m[2] des Jahres, um äußerst angenehm zu leben. — Rechnen wir aber bevor wir, zum Gelächter der Welt vielleicht, uns einmal so reduciren —
Familie — 50 m2
Wienerhaus 15
Zinkendorf 12
Interessen 15
Ich — — 24
Andre Ausg[3] 10
126
Wenn etwas überbleibt, auf Verbesserungen und Schulden zahlen. – Bleibt auch zum Schuldenzahlen nichts übrig — so werden wenigstens die Familien Schulden von den 50 m2 gemindert.
Was die Schulden der Lackenbacher[g] anbelangt, werden wir wohl Mittel finden. — Ich kann übrigens auch mit 12.000 fl[4] W. W.[5] des Jahrs leben, und keinen Schritt vom Regiment gehen. Glauben Sie mir, ich kann entbehren, sowie ich zu genießen verstehe.
Lassen wir uns also nicht irre machen – bleiben wir in unserm Gleis. Die Leute sollen reden. Ich wollte im 8ber nach Zinkendorf. Jetzt weiß ich nicht, was ich thun werde — Lassen wir es reifen. Nur etwas Philosophie, „Man kommt durch die Welt, weiß nicht wie.“
Zeit bringt übrigens Rath! —
Mir ist in meinem Leben nichts gelungen (das bleibt unter uns, denn man sagt, es ist eine Schande), und dennoch lebe ich vergnügt und froh – Wie erst, wenn die Fortuna uns noch lächeln sollte? Und warum soll sie das nie! —
Wir wollen auf jedem Fall unser Leben so einrichten, daß uns gar[6] nichts ganz zu Boden beugen könne.
Wegen die 5000 fl.,4 die ich allenfalls für Lumley brauchen sollte — haben Sie kein Geld aufzunehmen, und darauf gar nicht zu denken. –
Es wäre überhaupt gut — wenn wir die Sachen so eng und knapp nehmen würden, daß wir nicht gezwungen seyen, neue Schulden zu machen. Es fehlen uns nur noch 15.000 W. W.5
Für die Wolle erhielten wir 20 m.2
Nach meiner Berechnung bekommen wir aber Wolle equal von 23 m2 da sind also 3 m2 C. M.[7] 3 m2 müssen wir aus andern Quellen schöpfen.
Übrigens ist das nur eine Idee.
Im Fall, daß wir neue Schulden machen, — wollen wir alle unsere kleinlichen Schulden bezahlen: alle Wiener Conto — Houldich[h] & & —
Wenn meine Mutter Ihnen meine Wahl6 gesagt hat, – oder haben Sie’s errathen, so halten Sie das größte Stillschweigen darüber. Reden Sie von der Sache gar nichts: können Sie’s aber nicht vermeiden, so läugnen Sie’s als eine unwahrscheinliche Sache — von der ich nicht einmal träumte. Mich wurden Sie aber ausnehmend obligiren, wenn Sie mir alle Tritschtatschereӱen hierüber schreiben wollten. Leben Sie wohl mein, Liebster und zweifeln Sie niemals an meiner unwandelbaren, unveränderlichen Anhenglichkeit
Széchenyi Was ist mit Pigai[i] geworden? Wohin ist er? —[j]
[1] Instead of denn.
[2] mille
[3] Ausgaben
[4] florins
[5] Wiener Währung
[6] Széchenyi’s underlining with straight line.
[7] Conventionsmünzen
[a] The letter was written based on its content in 1823.
[b] [b] On 23 July 1823, Széchenyi received a letter from his employee Dauvergne, that his mother wished him to continue serving. Széchenyi then wrote a letter to his mother informing her that he wished to continue serving. The letters are not known. SzIN 2. 391.
[c] See the letter of 19 May 1823.
[d] Széchenyi’s English groom.
[e] Széchenyi’s cook.
[f] See the letter of 9 March 1821.
[g] Lakompak, the estate of Prince Miklós Esterházy (1765–1833).
[h] Saddler in London.
[i] Antal Pigay was the former secretary of Ferenc Széchényi and the steward of István Széchenyi.
[j] Liebenberg’s reply to this letter is not known, but Széchenyi gives an extract in his diary in the entry of 16 July 1823, “Liebenberg schreibt mir — und sehr gründlich, dass ich Lumley weg thun, das Wiener Etablissement aufgeben, und mich ausnehmend einschränken muss — auf keine Heirat nicht denken darf.” SzIN 2. 387.
Recommended reference:
István Széchenyi to János Liebenberg, Diószeg, 1 July 1823. Edited and annotated by Szilvia Czinege. Published in Correspondence of István Széchenyi. Digital edition. Edited by Szilvia Czinege and Zoltán Fónagy. https://szechenyilevelezes.abtk.hu/ Abbreviation for further references: SzIL-Digit.