He thanks Liebenberg for his frank and clear speech and acknowledges that he could not make a yes-man out of him. He would like them to remain friends for as long as possible. He has received a letter from his brother Lajos, he wrote about nothing but the theatre in Cenk. A few years ago he wanted to let him have it for 300 forints. He’s gifting him the theatre and the wardrobe. He needs to increase his income.
Liebster Liebenberg, Ihren Brief vom 3 Juny bekam ich heute.[a] Nehmen Sie meinen Dank für Ihre offne und freye Sprache. Ich erkenne Sie ganz. Einen Ja = Herrn — den ich aus Ihnen machen wollte — wie Sie mir sagen — könnten Sie in keiner Gelegenheit des Lebens abgeben – Ich halte Sie für einen unverderbbaren Philosophen —. Mir würde aber noch weniger gedient seyn — denn ich höre gerne Wahrheit. Bleiben wir also — so lange es noch gehet — Freunde — Der bessere Theil unseres Lebens ist ohnehin schon dahin — Nur noch etwas Geduld, und wir sind nicht mehr! Ob der Nachbar in Peresteg[b] unser Freund oder Feind ist, was macht das? Sind wir nicht groß genug um uns über eine solche Miserie zu erheben? Hat Aristophanes[c] den Socrates nicht persifflirt? Und wo ist das Tribunal, wo man zwischen uns und Glaser[d] entscheidet?
Glauben Sie mir, wir haben recht — Bleiben wir aber auch hinfüro, die wirklich Weisen — lassen wir sie für die Gescheidern gelten! –
Meines Bruder Louis Brief bekam ich – gestern,[e] und beantwortete ihn bereits[f] — Von Advocaten spricht er nicht – überhaupt von nichts Anderem als dem Theater in Zinkendorf.
Vor ein paar Jahren wollte ich es ihm um 300 fl[1] W. W.[2] überlassen! und sollte es nun abschlagen. Freund, was für ein Blut würde das machen! Nachdem man in Horpáts gewiß[3] ist, daß ich[4] eine Sache unmöglich abschlagen kann — die mir gar keinen Nutzen schaft – und eine Gesellschaft von 24 Menschen erfreut! – Freund! Würde Sie das freuen, wenn man sagte, und es mit Recht sagte4 (denn das ist das Schlimme) „Sehet doch diesen Mann, der so lange Jahre auf dem Ocean der Welt herumsteuert — Gewohnheiten — Vorurtheile verachtet – dem an der Meinung der Welt wenig zu liegen scheint – der von Unabhängigkeit – von Philosophie spricht — Seht diesen Mann — dessen Jugendblüte versingt — den Erfahrung schmücken sollte — Seht ihn – mit kleinlichen Ansichten — Verengten Ideen heimkehren! Das hat er also gesammelt – und für die Ewigkeit gesammelt!“ —
Denken Sie an unsere Jugend, — das, was wir oft mit einander gefühlt — und bleiben wir uns unser würdig!
Glauben Sie indeß nicht, daß ich schwärme —. „Es geschehe das Recht“ — Ich schenke ihm das Theater und die Garderobe. Lassen Sie mich zurück seyn — und wir werden handeln.
Ich werde, sollte Louis mir auch 20mal schreiben, ihn keine decidirte Sache über nichts geben. Sie müssen mich instruiren.
Mein Brief, würde manchen Menschen in der Geisterwelt geschrieben, scheinen — und es ist auch wahr – solche Ideen hemmen jede Industrie, wenn sie zu weit getrieben sind — Man fragt sich „ist es nicht einerleӱ, wenn wir die Existenz des Menschen durchdenken, ob er 100,000 oder 150,000 fl1 Einkünfte hat?“
Ich gehe die Mittelstraße — das beweise ich, weil meine Ausgaben hier klein sind – Sie Ihrer Seits müssen die Einnahmen vergrößern —
Adieu, Bevor ich abreise, werde ich Ihnen noch schreiben[g] — Sie können auf diesen Brief mir noch antworten.
Széchenyi
17 Junӱ Paris[h]
– Wann ist der Landtag?[i]
– Wann ist die Jagd in Ozora?[j]
[1] florins
[2] Wiener Währung
[3] Széchenyi’s underlining with straight line.
[4] Széchenyi’s underlining with two lines.
[a] The letter is unknown.
[b] Lajos Széchényi’s estate.
[c] Aristophanes (450–385 BCE), a Greek comic playwright, mocks the Sophist school of education and its main representative, Socrates, in his comedy The Clouds.
[d] Probably József Gloser (later Muray), Count Lajos Széchényi’s livestock manager.
[e] The letter is unknown.
[f] The letter is unknown.
[g] On 16 July 1825, he began his journey home from Paris via southern France and northern Italy. Széchenyi’s next known letter to Liebenberg was written in Vienna on 12 September.
[h] The letter was written based on its content in 1825.
[i] The Parliament was opened on 12 September 1825.
[j] A village in Tolna County, estate of Prince Miklós Esterházy (1765–1833).
Recommended reference:
István Széchenyi to János Liebenberg, Paris, 17 June 1825. Edited and annotated by Szilvia Czinege. Published in Correspondence of István Széchenyi. Digital edition. Edited by Szilvia Czinege and Zoltán Fónagy. https://szechenyilevelezes.abtk.hu/ Abbreviation for further references: SzIL-Digit.